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Solingen: Chemiestunde im Kugelgasbehälter

Solingen : Chemiestunde im Kugelgasbehälter

Die Klasse 9c der Geschwister-Scholl-Schule erfährt beim Besuch anschaulich, wie klein ein Atomkern ist.

Chemieunterricht kann bei all den Formeln, Modellen und Periodensystemen manchmal ganz schön abstrakt sein. Dass es auch anders geht, zeigte Chemielehrerin Dr. Irene Aprath ihrer Klasse 9c der Geschwister-Scholl-Gesamtschule am Donnerstag. Auf dem Stundenplan stand: Wie groß ist ein Atomkern im Vergleich zum ganzen Atom?

Die Schulstunde fand aber nicht im Chemieraum statt, sondern im und am satt grünen Kugelgasbehälter in Ohligs, einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt. Die Anschauungsobjekte zur Beantwortung dieser Frage hätten unterschiedlicher kaum sein können. Auf der einen Seite der mit 26 Metern Durchmesser und etlichen Tonnen Gewicht reichlich sperrige Gasbehälter, auf der anderen Seite Alltagsgegenstände, die in eine Hosentasche passen: ein Tennisball, eine Haselnuss, ein Streichholz.

Bevor die Frage aufgelöst wurde, bot sich den Schülern ein Erlebnis der besonderen Art. Durch einen rund 60 Zentimeter breiten Einstieg am Boden hatten sie die Gelegenheit, in den Gasbehälter zu klettern und das Bauwerk von innen zu besichtigen.

Während die Gaskugel von außen mächtig wirkt und in sich ruht, so ist sie im Innenraum einer der bizarrsten Orte, die Solingen zu bieten hat. Außer durch das Einstiegsloch kann hier kein Schall entweichen, so dass sämtliche Laute der Schüler - Schreien, Klatschen, Trampeln - von der rostbraunen Innenseite der Kugel als Echo zurückgeworfen und vervielfacht wurden. Strahler am Boden beleuchten den fensterlosen Raum spärlich und zeigen, dass die Kugel innen nur von einer einzigen Säule gestützt wird.

Wieder draußen, geht es inhaltlich ans Eingemachte. "99 Prozent der Masse eines Atoms stecken im Kern", erklärt Irene Aprath der Klasse. "Jetzt stellt euch vor, die Gaskugel ist das Atom. Wie groß ist Atomkern im Verhältnis?" Zwar hatten die Schüler im Unterricht bereits die verschiedenen Atom-Modelle von Rutherford, Bohr, Dalton oder Thompson kennengelernt. Aber wie sich die Größen vom Atom und seinem Kern zueinander verhalten, ist schwer vorstellbar.

Irene Aprath hält die Vergleichsgegenstände hoch, den Tennisball, die Haselnuss und das Streichholz. Und es ist kaum zu glauben, wie klein ein Atomkern ist: Der Streichholzkopf stellt im Vergleich zur Gaskugel den Atomkern dar, im Verhältnis von 1:10 000. "Dann seid ihr fit in Sachen Atommodell", schließt Irene Aprath die eindrucksvolle Chemiestunde.

(RP)