Solingen: Caritas will Spielhallenflut eindämmen

Solingen : Caritas will Spielhallenflut eindämmen

Für Dr. Christoph Humburg sind Glücksspielhallen ein Trauerspiel. Der Caritas-Direktor hat an der Goerdelerstraße eine Beratungsstelle gegen Spielsucht aufgebaut. Bei der ambulanten Pflege wünscht er sich mehr junge Migranten.

Bei Glücksspiel hört für Dr. Christoph Humburg der Spaß auf: Familien und Existenzen werden zerstört, wenn der Weg in die Spielhalle zur Sucht wird; und dies kann ganz schnell passieren. Deshalb sieht der Caritas-Direktor deren Eröffnung äußerst kritisch. "Glücksspielhallen bedeuten eine große Gefahr für die Menschen." Auch in Solingen würden viele Millionen verzockt, ist Humburg überzeugt und spricht von einem Trauerspiel. Es ist davon auszugehen, dass bis zu 1600 Solinger von schädlichem bis hin zum pathologischen Glücksspiel betroffen sind.

Die Caritas steht Spielern, die ihren Einsatz längst nicht mehr kontrollieren können, zur Seite. Kein Zufall, dass die kirchliche Einrichtung in ihrer Beratungsstelle an der Goerdelerstraße, ein Citybereich mit einigen Spielhallen im Umfeld, inzwischen auch eine Spielsuchtberatung aufgebaut hat. Auch in diesem Jahr wird das Hilfsangebot hier eines von zahlreichen Schwerpunkten bei der Caritas sein. Humburg appelliert, sozialpolitisch stärker gegen Spielhallen vorzugehen. Problem sei, bedauert der Caritas-Direktor, dass die Stadt zu wenig Möglichkeiten habe, das Aufstellen der Glückspielautomaten zu verbieten.

Neues Jahr, neue Akzente: Den Bereich der ambulanten Pflege will die Caritas in 2013 weiter ausbauen. Jürgen Kebeck ist hier Ansprechpartner im Büro an der Goerdelerstraße 55. "Die Zukunft der Pflege ist bunt" — unter diesem Motto sollen nach Humburgs Worten außerdem mehr junge Leute mit Migrationshintergrund für Pflegeberufe interessiert werden. Der Caritas-Direktor sieht dies als eine große Chance an. Denn gut jeder vierte Solinger habe selbst einen Migrationshintergrund. "Es ist wunderbar, voneinander zu lernen." Die kulturelle Vielfalt eröffne allen einen weiteren Blick, betont Humburg. Gerade auch für einen Verband wie die Caritas sei es zukunftsweisend, sich hier weiter zu öffnen.

Die Caritas-Kita Don Bosco ist im vergangenen Jahr als "Haus der Forscher" zertifiziert worden. Dieses Qualitätssiegel soll die Kita Nazareth nun ebenfalls erhalten. Humburg kündigt zudem an, zum Start des neuen Kindergartenjahres im Sommer werden am Geranienweg auch einige U 3-Plätze für jüngere Mädchen und Jungen eingerichtet.

Zum neuen Schwerpunkt ist auch der Bereich der Seniorerholung geworden. Beispiel: Im Frühsommer geht es 14 Tage nach Büsum an die Nordsee. Koordiniert werden die Reisen beziehungsweise Tagesausflüge im Ohligser Caritas-Zentrum Ahrstraße. Hier wird jedenfalls eine große Nachfrage beobachtet. Für Christoph Humburg bieten die von Mitarbeitern begleiteten Fahrten eine gute Gelegenheit für Ältere mit gleichen Interessen, zusammenzukommen und sich auszutauschen.

Apropos neue Angebote: Die Sportgruppe für Menschen mit einem Suchtproblem, die in Kooperation mit dem TSV Aufderhöhe aufgebaut worden ist, soll in diesem Jahr weiter gestärkt werden.

Für Christoph Humburg ist dies ein weiteres Beispiel von vielen, dass das Spektrum der Caritas-Arbeit deutlich macht. "Wir sind im Bergischen ein großes Unternehmen geworden." Dadurch bekomme der Verband auch sozialpolitischen Einfluss, um mit noch mehr Nachdruck für die Menschen etwas zu erreichen.

(RP/rl)
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