Solingen: "Burglind" sorgt für Hochwasseralarm in Burg

Solingen: "Burglind" sorgt für Hochwasseralarm in Burg

Das Sturmtief wütete über Solingen. In Unterburg war die Lage besonders kritisch. Neuer Hochwasserschutz bestand ersten Härtetest.

Bäume, die wie Streichhölzer umknickten, der Ast einer Eiche, der auf das Dach sowie auf die Fassade eines Haues am Ginsterweg stürzte, und etliche Keller, in die die Regenmassen einzudringen drohten - das Sturmtief "Burglind", das seit dem späten Dienstagabend über NRW gezogen ist, hat auch Solingen voll erwischt. Bis gestern Abend mussten die Berufs- und die Freiwillige Feuerwehr mit 114 Kräften zu insgesamt 43 unwetterbedingten Einsätzen ausrücken, um die Hinterlassenschaften des Orkans zu beseitigen.

Wobei die Klingenstadt selbst zunächst einmal von der ganz großen Katastrophe verschont geblieben ist. Denn tatsächlich kamen trotz des phasenweise sintflutartigen Starkregens sowie der heftigen Böen in Solingen keine Menschen zu Schaden. Und auch die Einwohner des schon häufig von Hochwassern geplagten Stadtteils Unterburg konnten am Mittwochnachmittag bis auf Weiteres zumindest ein wenig aufatmen. So traten weder die Wupper, noch der Eschbach über ihre Ufer.

Sturmtief "Burglind" fegt über NRW

Danach hatte es indes am Morgen noch nicht ausgesehen. Durch die starken Niederschläge der zurückliegenden Tage waren beide Flussläufe ohnehin bereits bedenklich angeschwollen, als gegen 6 Uhr erneut kräftige Schauer und Gewitter einsetzten. Binnen kurzer Zeit stiegen die Pegelstände von Wupper und Eschbach bedrohlich an - so dass die Verantwortlichen bei Stadt, Feuerwehr sowie Wupperverband keine Zeit verlieren wollten und erste Sicherungsmaßnahmen ergriffen.

Beispielsweise wurden die nach der Weihnachtspause erst zu Beginn dieser Woche wieder aufgenommenen Arbeiten an der Großbaustelle in Unterburg umgehend gestoppt. Und darüber hinaus riegelte die Feuerwehr den Parkplatz an der Wupperinsel ab, da die Gefahr einer unmittelbar bevorstehenden Überflutung des Geländes bestand.

Wie kraftvoll die einwirkenden Naturgewalten waren, zeigte sich kurze Zeit später. Denn das Absperrgitter vor dem Parkplatz hielt dem Sturm nicht Stand und fiel gegen ein abgestelltes Auto. Dabei war dies aber ein noch vergleichsweise geringer Schaden - in anderen Teilen des Stadtgebietes wütete "Burglind" ebenfalls ausgesprochen heftig.

Etwa am Ginsterweg nahe der Hasseldelle, wo der Ast der besagten Eiche in ein Gebäude krachte. Oder ein paar Kilometer vor Unterburg auf der Burger Landstraße, an der ein umgestürzter Baum die Drähte der Obusleitung in Mitleidenschaft gezogen hatte.

Der Eschbach glich einem reißenden Fluss. Wassermassen schossen durch Unterburg. Foto: Köhlen Stephan
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Dort spitzte sich die Situation für eine kurze Zeit sogar dramatisch zu. Während die Feuerwehr die Leitung von dem Baum befreite, wollte nämlich ein Auto mit einem Kranken die Stelle passieren. Was zur Folge hatte, dass die Einsatzkräfte den Wagen kurzerhand über einen Schrankenweg um die Sperre leiteten, damit der Patient rechtzeitig zu seinem Arzttermin kam.

Der Eschbach glich einem reißenden Fluss. Wassermassen schossen durch Unterburg. Foto: theph/or

Derweil beruhigte sich das Wetter im Verlauf des Tages. Der Regen ließ nach und die Sturmböen verloren an Geschwindigkeit, weswegen vonseiten der Feuerwehr sowie des Wupperverbandes am Nachmittag eine erste vorsichtige Entwarnung gegeben wurde. "Die Pegelstände sinken von Wupper und Eschbach wieder", sagte eine Sprecherin des Verbandes, während die Feuerwehr betonte, das Schlimmste sei überstanden.

Dennoch ließ die Wachsamkeit nicht nach. "Wir können jederzeit 250 in der alten Burger Schule gelagerte Sandsäcke aufbauen", sagte ein Feuerwehr-Sprecher, der zudem darauf verwies, dass im Notfall zusätzliche 400 Säcke für den Hochwasserschutz bereitstünden.

Zu diesem Zeitpunkt lag der für Burg maßgebliche Wupperpegel in Wuppertal-Rutenbeck bei 2,48 Metern. Rund 60 Kubikmeter Wasser rauschten pro Sekunde durch den Fluss, so dass der Wupperverband den Wasserzufluss aus den nahen Talsperren in die Wupper drosselte, um auf diese Weise zusätzlich für Entlastung zu sorgen. Wie dringend solche Maßnahmen waren, zeigte sich einige Kilometer flussabwärts von Burg am Wipperkotten. Dort stand das Wasser am Vormittag schon bedenklich hoch an der Fußgängerbrücke zum historischen Ensemble.

Und auch in der Stadt selbst herrschte zwischenzeitlich Alarmstimmung. Denn gegen 8.30 Uhr war eine weitere Sturmfront über Solingen gezogen, die derart heftig ausfiel, dass am Neumarkt Weihnachtsbäume durch die Luft gewirbelt wurden sowie Passanten Mühe hatten, sich auf den Beinen zu halten.

Wann die zunächst einmal unterbrochenen Bauarbeiten für einen besserten Hochwasserschutz in Unterburg wieder aufgenommen werden können, bleibt einstweilen unklar. Nach Einschätzung der Feuerwehr verhinderten die mittlerweile fertiggestellten Mauern gestern bereits größere Schäden. Was ein alter Unterburger ähnlich sah. "Wir sind wirklich noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen", atmete der Mann am Mittwoch erleichtert auf.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Sturmtief "Burglind" trifft mit Orkanböen auf NRW

(or)