Solingen: Burg verliert die Schule

Solingen : Burg verliert die Schule

Schon im Sommer dürfte das Burger Grundschulhaus geschlossen werden. Nach nur sechs Anmeldungen stemmen sich jetzt auch die Schulpolitiker nicht mehr gegen das Aus. Selbst in Burg gibt es "kaum noch Hoffnung".

Vom Lernerfolg her läuft es wohl prächtig im ersten und im zweiten Schuljahr, die zusammen in einer Klasse 1 und 2 in Burg unterrichtet werden. "Die Grundschulkinder entwickeln sich gut", heißt es in dem kleinen Schulhaus an der Hasencleverstraße. Es ist ein Unterrichtsversuch, um eine Schulklasse in dem Außenstadtteil an der Wupper überhaupt noch ausreichend füllen zu können.

Doch inzwischen ist selbst in Burg die Zuversicht gewichen, dass dies damit gelingen könnte. "Es gibt kaum noch Hoffnung - obwohl wir uns nichts mehr wünschen, als den Schulstandort zu erhalten", beschreibt Christina Eckert das Stimmungsbild. Sie ist Pflegschafts-Vorsitzende der gemeinsamen Klasse.

Nur sechs Kinder sind für die neue Klasse 1 in Burg angemeldet worden - zu wenig. Denn mit den neun i-Dötzchen, die derzeit im ersten Schuljahr sind, hätte die Klasse 1 und 2 im neuen Schuljahr lediglich 15 Kinder. 18 ist die Mindestzahl für eine Schulklasse.

Deshalb hatte die Bezirksregierung Mitte Dezember angekündigt, das Lernmodell der Zwergschule nicht weiter zu genehmigen - es ist, das zeichnet sich jetzt eindeutig ab, die entscheidende Richtungsentscheidung zur Schulschließung in Burg, gegen die sich in Solingen keiner stemmt - auch Schulverwaltung und Schulpolitiker nicht.

Deshalb dürfte am 26. Januar im Schulausschuss das Konzept zum Aus des Burger Grundschulhauses beraten werden. Sehr wahrscheinlich, dass diese schon im Sommer geschlossen wird. Denn die heutigen Viertklässler wechseln ohnehin zu den weiterführenden Schulen, eine Klasse3 besteht derzeit nicht, und die Kinder der gemeinsamen Klasse 1 und 2 könnten am Hauptstandort Schützenstraße weiter unterrichtet werden.

Markus Preuß (BfS) ist Schulausschuss-Vorsitzender. "Dass es sehr schwierig werden wird mit dem Schulversuch, zeichnete sich von Anfang an ab", sagte er gestern unserer Zeitung. Die Schließung würde ihn jedenfalls nicht überraschen. "Die Anmeldezahlen lassen der Bezirksregierung keinen anderen Handlungsspielraum."

Iris Preuß-Buchholz wertet dies ähnlich. "Das Modell wird ganz offensichtlich von den Eltern nicht akzeptiert. Wo keine Schüler sind, wird auch keine Schule gebraucht", erklärte die SPD-Schulpolitikerin und Landtagsabgeordnete. Ihr Standpunkt mit Blick auf die Investitionen in den Schulen insgesamt:"Es ist eine Schulpauschale, die steht für alle Schüler in Solingen zur Verfügung. Das Geld muss man so einsetzen, dass möglichst viele Schüler davon partizipieren."

Als bedauerlich bezeichnete Martina Zsack-Möllmann das Aus der Burger Schule - "aber mehr kann man nicht verantworten". Die schulpolitische Sprecherin der Grünen, appellierte auf Anfrage, der Wahrheit der Anmeldezahlen ins Gesicht zu schauen: "Die Eltern haben sich entschieden." Ohne Kinder sei eine Schule nicht zu erhalten.

Bedauern ebenso bei CDU-Schulpolitikerin Nicole Molinari:"Die Schließung der Schule ist fast unvermeidbar." Viel Herzblut sei in das Unterrichtsmodell der gemeinsamen Klasse investiert worden. "Doch was sollen wir jetzt machen? Wir können die Kinder nicht herzaubern!" Angesichts der städtischen Finanzlage fordert sie, das zur Verfügung stehende Geld in Schulen zu investieren, die Zukunft haben - nicht in einen Schulstandort, der nicht mehr zu retten sei.

215000 Euro müssten in Burg erst noch investiert werden, um die Grundschüler dort mit den Kita-Kindern in einem Gebäude unterzubringen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE