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Bundestagswahl 2021: Ingo Schäfer (SPD) kandidiert im Wahlkreis 103

Bundestagswahl 2021 : „Verbote schaffen nur Gegendruck“

Ingo Schäfer nimmt nach 2017 den zweiten Anlauf für die SPD, in den Bundestag einzuziehen. Der Gewerkschaftler will klassische sozialdemokratische Themen in der Sozialpolitik voranbringen. Von Zwängen hält er nichts.

In den vergangenen eineinhalb Jahren erging es Ingo Schäfer wie so vielen Fußballfans. Aufgrund der Corona-Krise waren Besuche im Stadion seines Lieblingsvereins Borussia Mönchengladbach nicht drin. Und auch jetzt, da wieder Zuschauer in den Arenen zugelassen sind, kann Schäfer nach wie vor nicht zu den Bundesliga-Begegnungen der Borussia fahren. Denn in gewisser Weise befindet sich der 55-jährige Sozialdemokrat zurzeit selbst in einer Art Rückspiel.

Der Grund: Zum zweiten Mal nach 2017 fordert der gebürtige Ohligser im Bundestagswahlkreis 103 (Solingen, Remscheid, Wuppertal-Süd) den amtierenden Abgeordneten Jürgen Hardt (CDU) heraus. Und nachdem die Umfragewerte für die SPD in den zurückliegenden Wochen deutlich nach oben gegangen sind, ist auch bei den Sozialdemokraten in der Region die Zuversicht gegeben, dass ihr eigener Direktkandidat dieses Mal den Sprung nach Berlin schafft.

Im Jahr 2017 holte der heute 55 Jahre alte Schäfer fast 31 Prozent der Erststimmen und überflügelte damit das Zweitstimmen-Ergebnis seiner Partei in Solingen um beinahe sechs Prozentpunkte. Gereicht hat es seinerzeit aber dennoch nicht. Mit 38,1 Prozent machte CDU-Mann Hardt das dritte Mal seit 2009 das Rennen – wobei Ingo Schäfer dem Kontrahenten vorwirft, in den vergangenen Jahren nicht genug für das Bergische Land erreicht zu haben.

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„Schloss Burg praktisch als einziges Thema ist zu wenig“, sagt Schäfer über Hardt, der innerhalb seiner Bundestagsfraktion als profilierter Außenpolitiker gilt. SPD-Mann Schäfer will hingegen, sollte er den Einzug in den Bundestag schaffen, seine Schwerpunkte zukünftig auf Sozialpolitik legen. „Ein ganz zentraler Punkt ist beispielsweise die Rente, die mindestens auf dem jetzigen Niveau von 48 Prozent bleiben muss. Besser noch, sie würde steigen“, erklärt Schäfer, mit dem zudem eine Erhöhung des Renteneintrittsalters von demnächst 67 Jahren nach eigener Aussage nicht zu machen ist.

Ohnehin legt Ingo Schäfer, der seit 32 Jahren verheiratet ist und eine erwachsene Tochter hat, seinen politischen Fokus auf klassisch sozialdemokratische Themen. Das sind für ihn neben der Rente unter anderem Armutsbekämpfung, ein sicheres Gesundheitssystem, Kindergrundsicherung, bezahlbarer Wohnraum und eine Entschuldung der Kommunen. Wobei der SPD-Direktkandidat Vorbehalte gegen seine Partei, etwa bei den Steuern, zu zerstreuen versucht. So würden die Steuerpläne der SPD mit einem Aufschlag von drei Prozentpunkten bei der Einkommensteuer bei Verheirateten erst oberhalb von 500.000 Euro im Jahr und bei Ledigen ab 250.000 Euro jährlich gelten.

Wie Ingo Schäfer ohnehin Bilder von einer nicht an den Realitäten orientierten Sozialdemokratie zurückweist. Zwar lehnt er mit entschlossener Stimme Spekulationen über mögliche Koalitionen nach der Wahl ab. Gleichwohl kann er einem Bündnis mit der Linkspartei aufgrund der dort vorherrschenden außenpolitischen Vorstellungen „mehr oder weniger“ ausschließen. Und auch mit dem Wunschpartner der SPD, den Grünen, dürften nach Einschätzung des Solingers noch Diskussionen nötig sein.

So plädiert Ingo Schäfer für eine schnellstmögliche Energie- und Verkehrswende. Aber diese könnten nur gelingen, wenn die Rahmenbedingungen stimmten. „Wir wollen aus der Kohleverstromung aussteigen“, sagt Schäfer. Nur müssten die technischen Voraussetzungen für eine sichere Energieversorgung gegeben sein. Und darum sei dem schrittweisen Wandel kaum geholfen, wenn immer neue Ausstiegsdaten vor dem vereinbarten Jahr 2038 diskutiert würden.

Gleiches gilt für Schäfer überdies in Sachen Verkehr. Der SPD-Kandidat spricht sich dafür aus, die Elektromobilität auszubauen. Ferner sieht er gerade im Bergischen Land in Sachen ÖPNV mit den Solinger Oberleitungsbussen gute Voraussetzungen. Allerdings ist es in den Augen Schäfers zum Beispiel für Remscheider Pendler dringend erforderlich, dass die Bahnverbindungen besser werden. Eine Verteufelung des Individualverkehrs oder feste Verbots-Jahreszahlen für Verbrenner-Autos lehnt der Solinger ab.

„Verbote bringen erst mal gar nichts und schaffen nur Gegendruck“, sagt der Sozialdemokrat, für den der Gedanken der Solidarität in der Politik von zentraler Bedeutung ist. Das liegt nicht zuletzt an Schäfers Werdegang. Nach einer Lehre zum Betriebsschlosser bei Kronprinz wurde er später Berufsfeuerwehrmann und Rettungsassistent. Im gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst ist Schäfer bis heute tätig. Er engagierte sich im Personalrat der Stadt und ist ehemaliger Bundesvorsitzender der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft. Zur SPD kam Ingo Schäfer erst verhältnismäßig spät im Jahr 2013. Sollte er am 26. September den Einzug in den Bundestag schaffen, will er sich ganz auf die neue Aufgabe konzentrieren. Ingo Schäfer: „Ein Nebengewerbe wird es bei mir niemals geben“.