Solingen: Bahn trennt sich von Reisezentrum

Solingen: Bahn trennt sich von Reisezentrum

Es ist der Abschluss einer jahrelangen Debatte: Die Deutsche Bahn schließt am 31. Mai ihr Reisezentrum am Solinger Hauptbahnhof. Plan ist es, einen nahtlosen Übergang zu einem Dienstleister zu schaffen, der das Zentrum übernimmt.

Pendler und Fernreisende müssen sich am Solinger Hauptbahnhof in Ohligs demnächst auf einige Neuerungen einstellen. Denn wie die Deutsche Bahn AG gestern auf Anfrage bestätigte, wird sich der Konzern schon Ende Mai aus dem Reisezentrum im Eingangsbereich des Bahnhofs zurückziehen. "Die Schließung erfolgt zum 31. Mai", sagte ein Bahnsprecher, der betonte, Ziel sei es, für einen "nahtlosen Übergang" sorgen zu wollen. So gibt es Pläne, das Reisezentrum fortan von einer Agentur weiterbetreiben zu lassen.

Nach Informationen unserer Redaktion sind entsprechende Verhandlungen zwischen der Bahn AG als Eigentümerin des Bahnhofs sowie einigen Bewerbern bereits relativ weit gediehen. Augenblicklich befinden sich nur noch wenige Kandidaten im Rennen um den Zuschlag. Die endgültige Entscheidung darüber, wer zukünftig am Hauptbahnhof die Fahrkarten verkaufen und die Fragen der Kunden beantworten wird, steht aber weiter aus.

Dafür setzte die Bahn, wie aus unterrichten Kreisen zu hören war, die Stadt Solingen mittlerweile über die anstehenden Veränderungen rund um das Reisezentrum in Kenntnis. In den zurückliegenden Jahren war es mehrfach zu Spekulationen über eine mögliche Schließung des Servicebereichs und dementsprechend zu hitzigen Diskussionen gekommen. Nicht zuletzt aus diesem Grund hatte im vergangenen Jahr sogar ein Gipfeltreffen zwischen Verwaltung und Bahn stattgefunden.

Das Bestreben der Verantwortlichen bei der Stadt war es stets gewesen, das Reisezentrum als Anlaufstelle mit Personal zu erhalten. "Eine Großstadt wie Solingen braucht einen Hauptbahnhof mit Reisezentrum und sinnvollem Service", sagte beispielsweise Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) im März 2017, nachdem zuvor zum wiederholten Male Gerüchte über eine angeblich bevorstehende Schließung der Einrichtung laut geworden waren.

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Und auch Politiker wie der Landtagsabgeordnete Arne Moritz (CDU) sowie der Vorsitzende des Aufsichtsrates bei den Stadtwerken Solingen, Manfred Krause (Grüne), schalteten sich später in die Debatte ein und forderten ihrerseits ein Fortbestehen des Servicepunktes in Ohligs.

Tatsächlich sieht es so aus, als könnte dieses Ziel mit den nun bekannt gewordenen Plänen der Bahn erreicht werden. Denn in etlichen anderen Städten ist der Konzern längst dazu übergegangen, die dortigen Reisezentren nicht mehr selbst zu betreiben, sondern die Aufgaben an externe Firmen zu übertragen, die wiederum auch Personal für die Kunden-Auskünfte und den Verkauf von Fahrkarten stellen. Die Mitarbeiter der Bahn im Solinger Reisezentrum werden dem Vernehmen nach im Zuge der Servicepunkt-Aufgabe zum 31. Mai innerhalb des Konzerns versetzt werden.

Dass sich die Deutsche Bahn AG überhaupt aus dem Reisezentrum am Hauptbahnhof zurückziehen darf, liegt an den vertraglichen Rahmenbedingungen, auf die sich das Unternehmen in Staatsbesitz sowie der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) als verantwortlicher Auftraggeber für den regionalen Personenverkehr auf Schienen verständigt haben. Nach Informationen unserer Redaktion verpflichten die geschlossenen Verträge zwischen Bahn und VRR den Konzern nämlich keineswegs, ein Reisezentrum am Hauptbahnhof Solingen vorzuhalten beziehungsweise zu betreiben.

(or)