Carsten Voigt im Interview: "Bürgermeister klingt für mich sehr fremd"

Carsten Voigt im Interview : "Bürgermeister klingt für mich sehr fremd"

Für den CDU-Politiker Carsten Voigt ist es die erste Amtszeit im Stadtrat. Zwei große Aufgaben warten - als Bürgermeister und als Vorsitzender des Zentralen Betriebsausschusses.

Sie haben zum ersten Mal für den Stadtrat kandidiert und auf Anhieb das Direktmandat geholt. Und dann sind Sie gleich noch zum Bürgermeister gewählt worden. Betrachten Sie die Entwicklungen als überraschend ?

Voigt Es waren ja keine Gespräche, die Punkt jetzt begonnen haben - und morgen bist du Bürgermeister. Es hat sich in einem Zeitrahmen von ein paar Wochen so entwickelt. Ich betrachte die Sache sehr gelassen. Die Bürgermeister sind schließlich eine Position, die jeder Bürger ausüben kann und darf. In diesem Amt sind keine schwerwiegendsten Entscheidungen zu treffen, das machen wir gemeinsam im Rat. Es ist eher die Übernahme von repräsentativen Aufgaben.

Haben Sie vor der Wahl mit dem Gedanken gespielt, dass Sie als CDU-Kandidat in Frage kommen könnten ?

Voigt Der Entschluss, dass das Bürgermeister-Amt etwas für mich ist, ist erst nach einigen Gesprächen gereift und war gut überlegt. Als ich die Ratskandidatur in Burg angetreten habe, habe ich nicht darüber nachgedacht, ob ich vielleicht Bürgermeister werden könnte. Das kam logischerweise erst nach der Kommunalwahl. Irgendwann hat sich das ergeben.

Wie reagieren Sie, wenn Sie mit "Herr Bürgermeister" angesprochen werden?

Voigt Das klingt für mich sehr fremd. Ich bin ein sehr bodenständiger Mensch, der auf seinen Familiennamen hört. Damit ist auch gut.

Sie haben sich Freiräume geschaffen, um in den Rat zu kommen. Müssen Sie sich unter den neuen Gegebenheiten insbesondere beruflich noch mehr Freiräume schaffen?

Voigt Man muss ein gewisses Zeitpotenzial mitbringen, um das alles machen zu können. Dass dies mit meiner Firma abgesprochen ist, steht außer Frage. Und man muss mit den Aufgaben wachsen - das werde ich auch tun. So ist es bei mir in der Vergangenheit schon öfters gewesen.

Auch derart rasant?

Voigt Notfalls auch ganz plötzlich. Manchmal ist es ganz gut, wenn man ins kalte Wasser geworfen wird. Dann schwimmt man direkt.

War das Bürgermeister-Amt gekoppelt damit, dass Sie auch den Vorsitz eines Ausschusses übernehmen?

Voigt Das war unabhängig davon und hat sich ebenfalls entwickelt. Es wird intern in der Fraktion überlegt, wer kann was machen. Oder wer hat in welchem Bereich einen Hintergrund. Jürgen Scheller ist sicherlich die richtige Person gewesen, um den Zentralen Betriebsausschuss zu führen. Bedauerlicherweise hat er es nicht mehr in den Rat geschafft. Aber ich bin sehr froh, dass er uns mit seinem Erfahrungsschatz als Sprecher weiterhin zur Verfügung steht. Folglich musste man auf die neuen Gegebenheiten reagieren und einen Nachfolger finden. In den Gesprächen hat sich herauskristallisiert: Das ist der richtige Mann dafür. Ein unproblematischer, rationeller Prozess. Die Aufgabe nehme ich sehr gerne an.

Sind Sie in den ersten Wochen schon zur Tat geschritten in einer Ihrer neuen Funktionen ?

Voigt Offiziell noch nicht. Natürlich muss ich mich als Vorsitzender des Zentralen Betriebsausschusses vorbereiten und einlesen. Hier sind viele Entscheidungen getroffen worden, und es sind noch viele zu treffen. Damit hat man gut zu tun. Zudem kommen viele Einladungen, die aber nicht die offizielle Funktion des Bürgermeisters betreffen, sondern das Ratsmitglied Carsten Voigt. Diese werde ich auch verstärkt wahrnehmen, um vor Ort die Sorgen und Ängste der Leute mitzubekommen.

Ihr Bürgermeister-Kollege Ernst Lauterjung hat angekündigt, die Städte-Partnerschaften wieder intensiver pflegen und Sie dafür mit ins Boot holen zu wollen. Was halten Sie von der Idee?

Voigt Grundsätzlich kann ich mir alles vorstellen, wir sollten auf diesem Sektor unsere Arbeit sicherlich fortsetzen. Derzeit gibt es in dieser Stadt jedoch Probleme, die wichtiger sind als dieses. Erst einmal müssen wir die Hausaufgaben machen, bevor wir die Arbeit schreiben.

GUIDO RADTKE FÜHRTE DAS GESPRÄCH

(RP)
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