Solingen: Bürger kämpfen für Landschaftsschutz

Solingen : Bürger kämpfen für Landschaftsschutz

Bürgerinitiative "Schützt den Schrodtberg" ist gegen noch mehr Verkehr, Lärm und Gestank. Verwaltung will Gewerbefläche.

Beide Seiten halten unvermindert an ihren Positionen fest: Die Bürgerinitiative "Schützt den Schrodtberg" will im Bereich Stöcken/Schrodtberg keine weitere Gewerbefläche, sondern das betreffende Gebiet als Landschaftsschutzfläche ausgewiesen sehen.

Stadtverwaltung beziehungsweise Wirtschaftsförderung wollen dagegen das rund 4,6 Hektar große Gewerbegebiet nördlich der Straße Stöcken (L 427), südöstlich der Peter-Rasspe-Straße sowie der Straße Schrodtberg und südwestlich der Straße Kohlfurth entwickeln. "Es kann und darf aber nicht unberücksichtigt bleiben, dass sich die planerischen Voraussetzungen geändert haben", argumentierte Marius Stiehler in der Sitzung der Bezirksvertretung Mitte im Rathaus an der Cronenberger Straße mit Blick auf Planungen von vor vier Jahrzehnten, die am Schrodtberg eine Gewerbefläche vorsahen. "Der Verlust von schützenswerten Freiflächen ist einfach zu hoch, wir wollen nicht noch mehr Verkehr, Lärm und Gestank", ergänzte Stiehler.

Stadtplaner Karl-Heinz Schmidt verwies indes darauf, dass 2004 und 2005 bei der Neuaufstellung von Flächennutzungs- und Landschaftsplanes der Schrodtberg nicht als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen wurde. "Rat und Verwaltung haben die Fläche als gewerblichen Bereich festgelegt", betonte er, von Planungen aus den 1970er Jahren könne von daher keine Rede sein. Schmidt bekräftigte zudem, dass es sehr wohl Ziel sei, Brachen zu entwickeln. Diese seien zumeist aber sehr kleinteilig, mit Ausnahme des Rasspe-Geländes in der Kohlfurth, das aber weiter nicht in Besitz der Stadt sei. "Bei einem jährlichen Flächenverbrauch von rund vier Hektar brauchen wir deshalb Neuflächen", erklärte Karl-Heinz Schmidt.

Das findet auch der Chef der Wirtschaftsförderung, Frank Balkenhol, der sich als "Freund jeder Brache" bekannte und erklärte: "Rasspe wird kommen und der Antrag an die Politik, die Entwicklung des Rasspe-Gebietes zu tragen." Noch befinden sich aber die Beratungen für den Bebauungsplan D 269 in einem frühen Stadium. Von daher appellierte die Bürgerinitiative erneut an die Bezirksvertreter, sie mit Blick auf die Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes zu unterstützen, zumal es für die Verwaltung — entgegen der Befürchtungen der Anwohner — nicht ersichtlich ist, dass mit einer Verschlechterung der Wohnsituation zu rechnen sei, wenn in Stöcken eine Gewerbefläche ausgewiesen würde.

Allerdings stehen noch ökologische Gutachten aus, wie beispielsweise die lärmgutachterliche Betrachtung. Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung werden die Anregungen der Bürger überdies in die Beratungen einbezogen, diese Empfehlung an den Planungsausschuss, der am Montag tagt, beschloss die Bezirksvertretung zudem einstimmig. "Am Ende des Planverfahrens steht ein Ergebnis des Stadtrates", erklärte Karl-Heinz Schmidt.

Auf die Seite der Bürgerinitiative stellte sich indes Ulrich Hohn (FBU) in der Sitzung der Bezirksvertretung. "Die Bürger in Schrodtberg haben viele Belastungen hinnehmen müssen, von daher haben sie nun einen Anspruch auf Ausgleich", meinte das Ratsmitglied.

Das Hauptaugenmerk bei der Flächenentwicklung sollte laut Ulrich Hohn vielmehr auf Brachen liegen, "neue Flächen für Gewerbe sollten nur dort entstehen, die nicht unmittelbar zur Wohnbebauung liegen".

(RP)
Mehr von RP ONLINE