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Solingen: Bündnis verknüpft mit Gedenken auch politische Forderungen

Solingen : Bündnis verknüpft mit Gedenken auch politische Forderungen

Eine Frage kann Frank Knoche vom Netzwerk Solinger Appell offensichtlich nicht mehr hören - die nach dem Besuch des türkischen Außenministers Mevlüt Cavusoglu in Solingen: "Durch dieses Thema", sagt der grüne Ratsherr, "treten die Ursachen des rechtsextremistischen Brandanschlages völlig in den Hintergrund." Diese wiederum sollen im Mittelpunkt mehrerer Veranstaltungen stehen, die das "Forum gegen Krieg und Rassismus" gemeinsam mit Antifa- und Migrantengruppen organisiert.

Los geht es mit einer Podiumsdiskussion im Theater und Konzerthaus am Mittwoch, 23. Mai, um 19 Uhr. Unter dem Titel "Solingen 1993 - Niemals vergessen - Unutturmayacagiz!" kommen Überlebende rassistisch motivierter Brandanschläge und Mitglieder verschiedener Initiativen zusammen. Zu den Gästen gehört dabei auch der türkischstämmige Autor und Erdogan-Gegner Dogan Akhanli.

Um ihrem Anspruch gerecht zu werden, "Rassismus überall" zu bekämpfen, thematisieren die Veranstalter neben dem Brandanschlag auf das Haus der Familie Genç auch das sogenannte Sivas-Massaker. In der zentralanatolischen Stadt hatten islamische Fundamentalisten wenige Wochen nach dem Solinger Anschlag 1993 ein Hotel in Brand gesetzt und damit über 30 Teilnehmer eines alevitischen Kulturfestivals getötet.

Auch Bürger der Klingenstadt habe dieses Ereignis schwer getroffen, betont Leyla Solmaz von der Alevitischen Kulturgemeinde Solingen. Zugleich lebten einige der verurteilten Mörder von Sivas in Deutschland, betonen die Organisatoren. Wegen Taschenkontrollen am Eingang sollen die Besucher an diesem Abend möglichst frühzeitig zum Theater kommen.

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Für Samstag, 26. Mai, ruft der Solinger Appell zu einer Demonstration auf. Deren Teilnehmer treffen sich um 12 Uhr im Südpark. Auf Partei- oder Nationalfahnen sollen die Demonstranten nach dem Wunsch der Veranstalter verzichten. "Wir wollen nicht auf diese Weise polarisieren", erklärt Araz Ardehali-Barani von der Initiative "Karawane für die Rechte von Flüchtlingen und MigrantInnen".

Mit dem Gedenken an den Brandanschlag verknüpfen die Organisatoren auch politische Forderungen für die Gegenwart, wie ein kommunales Wahlrecht für Migranten ohne deutschen Pass sowie eine stärkere Einbeziehung in die Verwaltung und die Auflösung des Verfassungsschutzes. Auch wenn es große Anstrengungen von Stadt und Zivilgesellschaft im Kampf gegen Rechtsextremismus gebe, betont Dietmar Gaida vom Solinger Appell: "Das Problem ist nicht gelöst".

Unter dem Motto "Rassismus bekämpfen" steht auch ein Konzert der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes" am Samstag, 26. Mai, um 19 Uhr in der Cobra mit Liedermacher Pippo Pollina und Kabarettist Wilfried Schmickler. Tickets für 25 Euro gibt es unter 2 33 12 22.

(ied)