Solingen: Brennende Sorgen bei Feuerwehr

Solingen: Brennende Sorgen bei Feuerwehr

"Die Politik zieht uns aus bis auf die Unterhose" – gut 300 Berufsfeuerwehrleute aus ganz NRW demonstrierten Donnerstag in der City gegen fehlende Aufstiegsmöglichkeiten in dem Job.

Symbolträchtig wurden bei der Abschlussveranstaltung am Stadttheater zudem "junge Kollegen verheizt".

Bei der Berufsfeuerwehr brennt es lichterloh. Den brennenden Sorgen der beherzten Frauen und Männer wegen der nach ihrer Überzeugung schlechten Bedingungen in dem Job und vor allem den fehlenden Aufstiegsmöglichkeiten ist mit Löschwasser aber nicht beizukommen. Deshalb haben gut 300 Berufsfeuerwehrleute bei der gestrigen Demonstration in der City eine andere Gangart eingeschlagen. "Hier werden junge Kollegen verheizt" – unter diesem Motto sind bei der Abschlussveranstaltung am Nachmittag vor dem Theater und Konzerthaus in Solingen symbolträchtig sogar kleine Feuerwehrleute aus Pappe in die Flammen einer Feuerstelle geworfen worden.

Auch Ernst Lauterjung und Bernd Krebs, Fraktionsvorsitzende bei SPD beziehungsweise CDU, zeigten sich solidarisch und beteiligten sich an dieser Aktion. Sie versprachen, den Landespolitikern weiterzugeben, "wo den Feuerwehrleuten der Schuh drückt". Enttäuscht monierte Andreas Herlinghaus, Sprecher der Interessengemeinschaft der Feuerwehr (IdFw), dass kein Vertreter der Landespolitik zugegen war. Denn der Protest der Feuerwehrleute aus ganz NRW, darunter zahlreiche aus Solingen, richtete sich ausdrücklich an die Adresse der Landesregierung mit ihren drastischen Sparvorgaben.

Verständnis für die Feuerwehr

  • Fotos : Demo der Berufsfeuerwehr in der Solinger City

Was das für die Männer und Frauen der Berufsfeuerwehren im Berufsalltag bedeutet, haben sie während ihrer Demo vom Parkplatz Weyersberg über die Katternberger, Kölner, Goerdeler- und Konrad-Adenauer-Straße bis zum Theater und Konzerthaus eindrucksvoll deutlich gemacht. "Die Politik zieht uns aus bis auf die Unterhose" – angelehnt an das Sprichwort entledigten sich unterwegs einige ihrer Uniformen und standen vor dem Eingangsportal des neuen Rathauses tatsächlich derart entblößt da.

Während des Protestzuges, begleitet von Löschfahrzeugen und Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn, kam der Verkehr streckenweise zum Erliegen. Die Aktion traf aber auf viel Verständnis, etwa bei Passantin Sandra Beumer. "Das ist ein harter Job – mit den 24-Stunden-Diensten." Sie fühlt sich sicher. Auch weil sie weiß, dass die Feuerwehr immer erreichbar sei. So wie neulich, als bei ihr im Unternehmen ein älterer Herr einen Kollaps erlitt. "Doch der Rettungswagen war sofort da." "Täglich rund um die Uhr bis zu 20 Mal für Sie im Einsatz", stand auf dem Transparent eines jungen Mannes in Feuerwehruniform. "Indirekt hat unsere fehlende Motivation mit ihrer Sicherheit zu tun", schallte es aus einem Megaphon.

Ingo Schäfer ist seit über 20 Jahren bei der Berufsfeuerwehr in Solingen. "Die Stimmung ist schlecht." Die Kollegen seien bedrückt, berichtete der IdFw-Bundesvorsitzende. Er sprach von der körperlichen, aber auch von der psychischen Belastung in dem Beruf, und er verwies auf die Verdienstmöglichkeiten. Ein junger Kollege bekomme nach der Ausbildung gerade mal 1600 Euro netto.

Feuerwehr-Chef Frank-Michael Fischer wünscht sich ebenfalls eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen: "Bedauerlich ist, dass die Perspektive nicht da ist, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Form Beförderungen ausgesprochen werden können."

(RP)