Solingen: Brandstifter: Opfer hatten Angst zu verbrennen

Solingen : Brandstifter: Opfer hatten Angst zu verbrennen

Die Stimme auf der Aufzeichnung des Polizeinotrufes klingt ruhig und gefasst: Er wolle sich selbst anzeigen, sagt ein Mann, er habe mehrere Brandstiftungen begangen. Das Wichtigste sei ihm, dass seine Verhaftung ruhig ablaufe: "Ich habe kleine Kinder Zuhause."

Es ist die Stimme des 25-Jährigen, der sich seit dieser Woche wegen achtfacher Brandstiftung vor dem Wuppertaler Landgericht verantworten muss: Anfang März, das hatte er beim Prozessauftakt eingeräumt, hatte er acht Mülltonnen angezündet, an zwei Stellen hatten die Flammen auf Häuser übergegriffen (wir berichteten). Dutzende Anwohner mussten von der Feuerwehr gerettet werden, darunter sieben psychisch kranke Bewohner einer Einrichtung des psychosozialen Trägervereins.

"Die Situation war bedrohlich"

Sie wurden gestern beim zweiten Prozesstag als Zeugen vernommen — und berichteten vor allem von der Angst in dieser Nacht, als sie von einem Feuerwehrmann geweckt wurden und "stinkender schwarz-grauer Rauch" in ihre Wohnungen zog. "Die Situation war bedrohlich", sagte einer. "Ich hatte Angst zu verbrennen", ein anderer. Denn das Feuer, das im Durchgang zum Hof gelegt wurde, in dem sich auch die Haustür befindet, habe den Fluchtweg versperrt. Noch immer, berichtete einer, zucke er zusammen, wenn er einen Rauchmelder höre. "Das vergisst man nicht." Ob die Worte des Angeklagten, der sich bei den Betroffenen dafür entschuldigte, ihnen Angst gemacht zu haben, das ändern können, mag dahin gestellt bleiben. "Ich hoffe, dass sie einsehen", sagte dann auch eine Bewohnerin, "dass wir nicht damit einverstanden wären, wenn Sie ohne Strafe davon kommen."

Es wäre eine weitere Verurteilung in einer langen, unrühmlichen Liste von Straftaten, die der Richter gestern auszugsweise verlas: Mit 14 erhielt der Solinger eine Bewährungsstrafe wegen Diebstahls in besonders schwerem Fall, zu dieser Zeit begann er auch, Heroin zu rauchen. Ein Jahr später beschädigte er dutzende Autos und stahl mehrere Fahrzeuge. Das Urteil: Ein Jahr und drei Monate. Noch im Gefängnis zündete der Mann Bettwäsche und Bekleidung an. 2009 setzte er das Haus des "Club Behinderter und ihrer Freunde" in Brand.

Immer wieder hatte er sich im Anschluss gestellt und seine Taten gestanden. Fast immer spielte Alkohol eine Rolle. Auch bei der Brandserie im März soll der Mann erheblich alkoholisiert gewesen sein — festzustellen ist dies nicht mehr: Erst rund 16 Stunden nach der Verhaftung wurde Blut für einen Alkoholtest entnommen. Das Ergebnis: null Promille. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt, fünf weitere Termine folgen.

(RP)