Solingen: Brandmale - brillant und verstörend

Solingen : Brandmale - brillant und verstörend

Schon der Titel verrät, dass das junge Ensemble des SpinaTheaters auch mit seinem neuen Stück kein leichtes Thema umgesetzt hat. Als roter Faden zieht sich die Beschreibung der unterschiedlichen Lebensformen unserer Erde durch das Stück - die Nahrungskette.

Krasse Gegensätze lässt das SpinaTheater aufeinanderprallen. Da erzählt ein farbiger Junge vom schweren Leben seiner Großeltern, die gezwungen waren, die Schule abzubrechen, Jahrzehnte später aber alles nachholten und durch Ausdauer und ihren starken Willen ihr Leben meisterten. Gleich darauf wird das Publikum mit einer symbolischen Folterszene konfrontiert. Mittels eines Pinsels und blutroter Farbe wird eine Darstellerin überall dort markiert, wo gefoltert wurde. "Wir schlugen ihr auf den Unterarm. Und er brach. Wir hackten ihr einen Finger ab. Wir verbanden ihre Schulterblätter mit einem Schnitt." Das recht junge Publikum in der voll besetzten Studiobühne des Theaters wurde während der Premiere von "Brandmale" Teil des Stücks. Bei einer Meditation wurde das Publikum in eine harmonische Hochzeitsfeier versetzt, die jedoch in tödlichem Chaos endete.

Eindrücklich die Szene, in der einzelne Schauspieler erzählten, was sie getan haben und dann das Publikum per Handzeichen entscheiden ließen, ob es ihnen verzeihen würde oder nicht. Während einer nicht auf seine Großeltern gehört hat, hat der andere ein humaneres Tötungsverfahren entwickelt, einer Ehebruch begangen und ein anderer als Soldat den Tod tausender Menschen verursacht. Die Entscheidung des Publikums bleibt unbewertet im Raum stehen, wirkt von selbst in den Köpfen der einzelnen nach.

Es sind verstörende Szenen, die das junge Ensemble aneinanderreiht, Szenen, die in ihrer Symbolik und ihrer Energie überwältigen und denen sich die Besucher nicht entziehen können. Dabei setzen die einzelnen Darsteller ihre Rollen mit ungeheuer viel Körpereinsatz und intensiver Bühnenpräsenz um. Sie schreien und flüstern, lassen sich schlagen, sie fallen, um immer wieder aufzustehen und sind am Ende alle von oben bis unten mit roter und schwarzer Farbe beschmiert.

Brandmale macht deutlich, dass alles auf dieser Erde miteinander verbunden ist und dass die Spuren, die wir hinterlassen, eine bleibende Auswirkung auf das gesamte System haben. Es ist ein außergewöhnliches Stück, das das junge Ensemble unter der Regie von Christoph Stec und Jan-Marco Schmitz entwickelt hat. Das Publikum dankte für die brillante Leistung mit stehenden Ovationen. Die letzte Aufführung findet heute um 19.30 Uhr auf der Studiobühne statt.

Das SpinaTheater sucht Schauspieler für das neue Stück "Baal". Casting am 8. Juni um 12 Uhr im Proberaum, Merscheider Busch 7.

(sue)
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