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Botanischer Garten in Solingen: Tropenhaus wird saniert

Botanischer Garten in Solingen : Wenn der Zimtbaum im Zug steht

Die Stiftung Botanischer Garten lässt bis Ende Oktober für rund 150.000 Euro das 55 Jahre alte denkmalgeschützte Tropenhaus sanieren.

Acht Meter hoch, 143 Quadratmeter groß: Das Tropenhaus des Botanischen Gartens ist auch von außen eindrucksvoll – und deshalb Teil des Logos, mit dem für die Anlage geworben wird. „Das Tropenhaus ist unser Wahrzeichen“, sagt Matthias Nitsche, der zweite Vorsitzende der Stiftung Botanischer Garten. „Es ist aber in die Jahre gekommen.“ An dem 1965 eröffneten denkmalgeschützten Gebäude nagt der Zahn der Zeit: Die Verglasung aus Doppelstegplatten ist an mehreren Stellen undicht; einige Fugen fehlen komplett.

Die Wärme, die in den kälteren Monaten teuer für die tropischen Zier- und Nutzpflanzen erzeugt wird, geht also im wahrsten Sinne des Wortes zum Fenster hinaus. Wenn im Sommer gelüftet werden muss, geschieht das zudem nicht automatisch. „Es ist das einzige Haus, wo noch von Hand gekurbelt wird“, erläutert Matthias Nitsche.

Zum 50-jährigen Bestehen des als Lehr- und Schauhaus geplanten Gebäudes machte sich der Stiftungsvorstand deshalb erste Gedanken, wie eine Sanierung aussehen müsste. Die Planung übernahm ehrenamtlich der Architekt Manfred Krause. Die nötigen Mittel kamen durch Sponsoren zusammen. Nitsche: „Wir haben brav gesammelt und Spendenaufrufe verschickt.“ Dank Geldgebern wie Wüsthof kamen die benötigten rund 150.000 Euro zusammen. Von dem Messerproduzenten stammen auch 250 Zöppken, die anlässlich des Tropenhaus-Jubiläums verkauft wurden. Die NRW-Stiftung stellt 32.000 Euro zur Verfügung.

Anfang dieses Jahres war alles in trockenen Tüchern. Im August soll das Sanierungsobjekt „eingehaust“ werden. Baubeginn wird im September sein. Neben den alten Kunststoffplatten muss auch asbesthaltiger Kitt entfernt werden. „Das Haus wird aussehen wie früher“, verspricht Matthias Nitsche – denn am Anfang war das Schauhaus verglast. Allerdings kommen jetzt Sicherheits- und Wärmeschutzglas zum Einsatz. Am Pultdach, das bereits früher saniert wurde, ist momentan nichts zu verbessern.

Stadtdirektor Hartmut Hoferichter, Norbert Motzfeld (TBS), Valeria Luhn, Bärbel Mentzel, Matthias Nitsche (alle Vorstand Botanischer Garten) und Claudia Wackerl (Stadt Solingen / v.l.) stellten das Projekt vor. Foto: Peter Meuter

Schon im kommenden Monat werden Stiftungsmitglieder mit dem Strippenziehen beginnen: Das Öffnen und Schließen der neuen Fenster wird ein Computer steuern. Für den Austausch der Doppelstegplatten gegen die neue geriffelte Verglasung, die seitenweise erfolgen soll, sind vier bis fünf Wochen geplant. Ende Oktober soll alles fertig sein – schließlich vertragen die Pflanzen schlecht Temperaturen unter 15 Grad. Deshalb sollte der Austausch der Verglasung schon im August starten. Das, berichtet der stellvertretende Vorsitzende, sei durch die Pandemie und die Arbeitsauflagen verhindert worden. Nitsche: „Die Pausenzeiten wären länger als die Arbeitszeiten gewesen.“

Stadtdirektor Hartmut Hoferichter lobt die Stiftungsmitglieder, weil sie die Stadt seit Jahren „maßgeblich“ beim Erhalt des Botanischen Gartens unterstützen – „finanziell und durch ganz viele Aktivitäten“. Der Garten sei ein wichtiger Anziehungspunkt, der auch eine Rolle im Stadtteilentwicklungskonzept für Wald und Teile von Gräfrath spielen soll. Wie wichtig das Engagement der Vereinsmitglieder ist, zeigt auch eine Vorlage für den Planungsausschuss und den Ausschuss für Stadtentwicklung: Geld vom Heimatmuseum oder für den Denkmalschutz hätte es nur gegeben, wenn die chronisch klamme Kommune selbst Mittel beigesteuert hätte und die Ausschreibung öffentlich gewesen wäre.

Besucher des Botanischen Gartens können momentan nur das Parkgelände nutzen. Die Schauhäuser bleiben wegen Corona geschlossen. „Wir wünschen uns, dass wir nach der Sanierung des Tropenhauses wieder Besucher hineinlassen können“, sagt Matthias Nitsche. 2021 seien dann auch wieder Hochzeiten im Tropenhaus möglich – umgeben von Zimtbaum, wildem Reis, Strelitzien und vielen anderen exotischen Pflanzen.