Bonpflicht in Solingen: „Das ist total überflüssig“

Verärgerung auch in Solingen : „Die Bonpflicht ist total überflüssig“

Viele Einzelhändler halten die seit Neujahr geltende Regelung für ünnotig. Vor allem die Papierverschwendung sorgt für Ärger – und Müllberge.

Seit dem 1. Januar des neuen Jahres gilt in Deutschland die Bonpflicht. Unternehmen müssen bei jedem Einkauf, sei es auch ein Brötchen für 50 Cent, einen Kassenbon rausgeben. Für Supermärkte ist das nichts Neues, die Frage „Kassenbon?“ gehört zum Einkauf wie das Warten in der Schlange. Doch für Bäcker oder Kioskbetreiber ist es neu, bei jedem Einkauf einen Bon herauszugeben. Und ärgerlich ist es auch.

„Das ist völliger Quatsch“, sagt Thomas Krauss, Verkaufsleiter bei der Bäckerei Steinbrink. Die Bonpflicht ärgert ihn. Die Bäckerei Steinbrink hat 41 Filialen, drei davon in Solingen. In diesen Filialen stehen insgesamt 66 Kassensysteme, sagt Krauss. Und jedes dieser Systeme druckt jetzt verpflichtend einen Kassenbon. Immer, bei jedem Kauf. „Die meisten Bons bleiben auf der Theke liegen“, sagt Krauss. Die Kunden wollen sie nicht haben, „in der Bevölkerung gibt es dafür keine Bereitschaft“, sagt der Verkaufsleiter. Das bedeutet für die Bäckerei, dass mehr Müll entsteht. „Wir haben das mal durchgerechnet“, sagt Krauss, „wir haben pro Tag 300 Quadratmeter an Müll durch die Bons“.

Ein halber Arbeitstag, ein voller Eimer: Von den Kunden weggworfene Bons beim Bäcker Schüren in Ohligs. Foto: Meuter, Peter (pm)

Die Bonpflicht soll Läden überführen, die Steuern hinterziehen, und so den Steuerbetrug eindämmen. Durch die Bonpflicht sollen beispielsweise keinen Waren mehr „schwarz“ über die Theke gehen.

„Im Endeffekt wollen wir doch das gleiche wie Finanzbehörden“, sagt Roland M. Schüren, Inhaber der Bäckerei Schüren, „wir wollen, dass für alle Waren auch gezahlt wird“. Doch um das zu kontrollieren, gebe es schon jetzt bessere Systeme als einen Kassenbon. „Die Bonpflicht ist total überflüssig, sie ist eine dumme Show des Finanzministers“, echauffiert sich Schüren. In einem Jahr würde die Bäckerei drei Millionen Bons drucken müssen, rechnet Schüren vor. „Natürlich geben wir die Bons raus“, fügt er noch an, „aber nur zähneknirschend.“

Doch nicht jeder Betrieb ist so verärgert über die Bonpflicht. „Wir machen das sowieso schon seit Jahren“, sagt Rudolf Jacobs von der Metzgerei Jacobs, „also betrifft uns das eher weniger“.  Die Bäcker seien die, die mehr Probleme damit haben.

Diese Probleme versuchen die Bäcker irgendwie zu lösen.Thomas Krauss sagt, sie hätten einen Antrag an das Bundesfinanzministerium gestellt, sie von der Bonpflicht zu befreien. Das ist laut Ministerium bei Härtefällen möglich. Da die Bonpflicht schlecht für die Umwelt sei und die Bons von den Kunden sowieso nicht angenommen werden, hofft Krauss auf eine Befreieung.

„Das haben wir erst gar nicht versucht, das bringt nichts“, sagt Roland M. Schüren. Einige Unternehmen hätten das bereits ausprobiert, sagt er,. Er kenne keines, dem eine Befreiung erteilt wurde.

Abgesehen vom Befreiungsantrag an das Finanzministerium prüft die Bäckerei Steinbrink weitere Schritte, sagt Thomas Krauss. Es gibt auch die Möglichkeit, den Bon digtiale anzuzeigen. Kunden, die ihn haben möchten, müssen ihn dann lediglich mit ihrem Smartphone einscannen. Die Bäckerei Steinbrink prüfe gerade, ob sie ein solches System einrichten. „Wir versuchen, verschiedene Wege zu gehen, um auf die Bonpflicht zu reagieren“, sagt Krauss. Bis dahin dominiert die Frage „Kassenbon“ erst mal auch den Einkauf beim Bäcker.