Solingen: Bissige Hundehalter

Solingen: Bissige Hundehalter

1,1 Millionen Euro will die Stadt von den Hundehaltern 2011 einnehmen, wenn die Steuererhöhung für die gut 8100 treuen Vierbeiner um rund 19 Euro greift. Ein hoch emotionales Thema.

"Alf" ist ein Westerwälder Hütehund und sucht ein neues Zuhause – so wie 20 weitere Hunde im Tierheim Glüder. Wer "Alf" bei sich aufnehmen will, muss ab nächstem Jahr einen Zuschlag von 19 Euro bei der Hundesteuer zahlen. Kurt Tschirge leitet den Stadtdienst Steuern und ist davon selbst betroffen.

Er hält zwei Hütehunde. "Die gehören mit zur Familie", sagt er. "Beide Bearded Collies sind angemeldet und tragen eine Steuermarke." Abgeschafft werden die Tiere bei Tschirges jedenfalls nicht, wenn die Hundesteuererhöhung zum 1. Januar 2011 greifen soll. 150 000 Euro soll das jährlich zusätzlich in die Stadtkasse spülen.

Dackel, Münsterländer, Mischling – dabei bringen die derzeit 8103 angemeldeten Hunde Solingen schon heute 950 000 Euro pro Jahr ein. Und zum 1. Januar 2009 ist die Hundesteuer erst gestiegen; und zwar auf 114 Euro für den ersten Hund. Bei zwei Tieren werden je Hund 138 Euro fällig, drei und mehr Hunde kosten momentan sogar 156 Euro je Vierbeiner. "Leider gibt es einen negativen Mengenrabatt. Es wird teurer", beschreibt Stadtdienstleiter Tschirge das Prinzip und spricht von einem ordnungspolitischen Steuerungsinstrument – nicht zuletzt, um die Zahl der Kampfhunde einzudämmen. Wer Pittbull oder Bullterrier hält, wird pro Tier jährlich immerhin mit 624 Euro zur Kasse gebeten.

"Immer wir Hundehalter", "die Stadt kassiert ab" – heiß diskutiert wird die Hundesteuererhöhung jedenfalls auf der Internetplattform "www.solingen-spart.de". Es ist derart hoch hergegangen, dass das moderierende Beratungsunternehmen sogar schon eingreifen musste. Der Appell im Netz: "Bitte nicht so wild . . ." Auch Kurt Tschirge erlebt den sprichwörtlich treuesten Begleiter des Menschen als ein hoch emotionales Thema. Einige der verärgerten Hundehalter, sagt er, würden nun nach einer Katzen- und Pferdesteuer rufen. Beides, betont er, sei bei der Stadt aber in keinster Weise geplant. Zumal er keine deutsche Stadt kennt, die Pferde derart besteuert. Einige Kommunen hätten dies jedoch schon andiskutiert. Eine Katzensteuer hält er ohnehin für nicht kontrollierbar und damit rechtswidrig, weil die Gleichheit und Gerechtigkeit bei der Steuer nicht gegeben sei.

Treibt die 19-Euro-Erhöhung die Hundefreunde zur Steuerflucht? "Der Verdacht liegt nahe", entgegnet Tschirge. Seine Schätzung: Zehn bis 15 Prozent der Hunde sind nicht angemeldet. Ein Mitarbeiter des Stadtdienstes kümmere sich um schwarz gehaltene Tiere. An der fehlenden Hundemarke sei das doch leicht zu erkennen.

"Die Hundehalter hängen doch an ihren Tieren." Deshalb glaubt Andrea Kleimt, Vorsitzende des Tierschutzvereins, nicht, dass wegen der 19 Euro jemand sein Tier abschaffen wird. Nach ihrer Beobachtung ist das Gegenteil der Fall. Man habe weniger Geld als in der Vergangenheit, könne sich weniger leisten. "Deshalb schaffen sich viele einen Hund als Freizeitfreude an und verzichten auf den Urlaub."

(RP)