Galerie Art-Eck: Bis zum Horizont und weiter . . .

Galerie Art-Eck: Bis zum Horizont und weiter . . .

Der Wuppertaler Maler Christian von Grumbkow stellt zum ersten Mal in der Galerie Art-Eck in Gräfrath aus.

"Eine waagerechte Linie im Bild - und schon wird der Betrachter verführt, einen Horizont zu sehen." Diese Beobachtung war das leitende Kriterium für den Galeristen Dirk Balke bei der Auswahl der Bilder von Christian von Grumbkow für die aktuelle Ausstellung in seinem Art-Eck. Der Kontakt zum Wuppertaler Maler, der auch als ehemaliges Bandmitglied der legendären Band "Hölderlin" kein Unbekannter ist, kam durch Gisela Elbracht-Iglhaut vom Kunstmuseum Solingen zustande.

Auch wenn sich Christian von Grumbkow als abstrakter Maler versteht, so ist ihm das Spiel mit gegenständlichen Assoziationen nicht fremd. Er setzt sie subtil in einigen Werkserien ein, die Landschaftsmotive suggerieren, wo eigentlich nur Farbe herrscht. Der Besucher macht mit Naturbetrachtung vergleichbare Seherfahrungen, assoziiert Wasser- oder Meereslandschaften in der Tradition von William Turner oder Claude Monet. Und doch ist das Bildergebnis bei Grumbkow von einem an der Abstraktion orientierten komplexen Malprozess bestimmt, der ihn seit vier Jahrzehnten beschäftigt und von intensiver und tiefgründiger Auseinandersetzung mit der reinen Farbe als dem Ausdrucksmedium der Malerei bestimmt ist. Als Beispiel sei auf ein in der aktuellen Ausstellung gezeigtes Bild an der Stirnseite der Galerie verwiesen. Zahlreiche hauchdünne Schichten stark verdünnter Ölfarbe ließ der Maler über seinen Bildgrund strömen. Über Wochen entstanden so subtile lasierende Überlagerungen, Farbverschmelzungen, halbtransparente Schichtungen, Farbschlieren durch chemische Prozesse, bis die magische Ausstrahlung erreicht war, die Grumbkow interessiert. Nicht Realismus ist sein Gradmesser, sondern Empfindung. "Das Bild als Ort der Kontemplation", erläutert der Maler. Da ist man geneigt, an Caspar David Friedrichs Seelenlandschaften zu denken: diese grenzenlos weiten, horizontal gelagerten Meeresansichten, die bei Grumbkow ganz ohne Staffagefiguren auskommen.

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"Ich male keine Botschaften, keine Gedanken, ich male Farbe." Das heißt bei Grumbkow: Je größer das Bild, desto stärker ist das Abenteuer und die Herausforderung. Er hat bis zu zehn Meter hohe Leinwände bemalt, riesige mehrteilige Wandinstallationen, die heute in den prachtvollen Eingangshallen von Versicherungskonzernen und Banken hängen. "Man muss eintauchen können in die Welt der Farbe ," sagt Grumbkow. Bearbeitet er ein malerisches Problem, entstehen immer auch Serien kleiner oder mittelformatiger Arbeiten. Er lotet die Farbräume aus, experimentiert mit dem Material, der selbst angeriebenen Ölfarbe, variiert die Auftragsarten und Untergründe.

In der Ausstellung sind Bilder auf Büttenpapier, auf Leinwand und auf Holzplatten zu sehen, die die Maserung durch lasierenden Farbauftrag mit einbeziehen. "Farbe ist für mich etwas Wesenhaftes, mit sinnlich-sittlicher Wirkung auf den Betrachter", kommentiert der Künstler und bezieht sich explizit auf Goethes Farbenlehre. Und neben allem Wissen, das er sich im Laufe der Jahre über die Farbe angeeignet und auch als Lehrer und Dozent an seine Studenten weitergegeben hat, fasziniert ihn nach fast 40 Jahren künstlerischer Arbeit das Erlebnis Farbe immer noch. Sein idealistischer Ansatz, der Dominanz des Intellekts in der westlichen Welt die Fantasie und die Emotion entgegen zu stellen und für Ganzheitlichkeit zu plädieren, konkretisiert der ehemalige Waldorfschüler in seiner Malerei, in seinen Workshops und in sozialen Projekten.

(RP)