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Solingen: Bewegtes, glückliches Leben

Solingen : Bewegtes, glückliches Leben

Ida Melcher durchlebte zwei Weltkriege, Hunger und Evakuierung. Aber auch auf Familienglück und weite Reisen blickt die rüstige Rentnerin zurück, die gestern ihren 100. Geburtstag feierte.

Wenn Ida Melcher über ihren Lebensweg nachdenkt, dann huscht ein Lächeln über das Gesicht der Solingerin. "Manchmal ärgere ich mich selbst heute noch über meine erste Arbeitsstelle 1922. Auf meinem Lohnzettel standen damals zehn Mark abzüglich zehn Prozent. Als Frau bekam man weniger", schmunzelt die Rentnerin. Gestern feierte sie mit Verwandten und Freunden ihren 100. Geburtstag. Im Familienhaus an der Irler Straße, in dem Ida Melcher seit 1934 lebt, trafen sich Gratulanten und Familienmitglieder bei Kaffee und Kuchen.

In ihrer Ausbildungsfirma lernte Ida Melcher ihren Mann Franz kennen, den sie 1934 heiratete. 1935 kam Sohn Hans-Jürgen zur Welt, zwei Jahre später ihr zweiter Sohn Erhard. 1941 wurde bei Verdunkelung und Fliegeralarm Tochter Dorothea geboren. "Die Zeit ab 1939 war wirklich sehr schwer, wir haben fast jede Nacht im Keller verbracht", erinnert sich Ida Melcher. Bereits kurz nach Kriegsbeginn nahmen alliierte Bomberflotten Solingen unter Beschuss. Im Sommer 1943 wurde die ganze Familie nach Thüringen evakuiert. 1944 musste Ehemann Franz die Familie verlassen. Er wurde als Dolmetscher in das von der Wehrmacht besetzte norwegische Narvik geschickt.

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Nach Kriegsende reiste Ida Melcher mit ihren Kindern zurück ins ausgebombte Solingen. "Unser Haus war stark beschädigt, eine Luftmine hat sämtliche Dächer in der ganzen Nachbarschaft weggefegt", sagt die ehemalige Kauffrau. 1945 kam Franz Melcher aus der Kriegsgefangenschaft zurück.

Ida Melcher ist trotz ihres hohen Lebensalters heute noch sehr selbstständig und erfreut sich bester Gesundheit. Ihr Mittagessen kocht sie jeden Tag alleine. "Wir haben ja gelernt, uns selbst zu helfen. Zeitlebens haben wir beispielsweise Obst eingemacht und uns immer selbst versorgt", macht die 100-Jährige deutlich. Zwar würden die Gartenarbeit und die Haushaltsführung altersbedingt sehr viel schwerer fallen, doch auf helfende Hände aus der Familie kann sich Ida Melcher immer verlassen.

"Wenn ich heute zurückblicke, dann muss ich feststellen, dass wir immer ein sehr schönes Familienleben hatten und auch haben", betont die Solingerin. Zahlreiche Reisen unternahm die rüstige Rentnerin, die sie unter anderem nach Norwegen, Malta und Monaco führten. Drei Mal besuchte sie Venezuela. Dort lebt und arbeitet ihre Tochter Dorothea, die zum runden Geburtstag eigens nach Solingen anreiste.

(RP)