Solingen Bewährungsstrafen nach Disco-Schlägerei

Solingen · Das Verfahren gegen fünf Solinger wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung am Amtsgericht erwies sich gestern als Geduldsprobe. Die Kammer musste die Vorkommnisse einer alkoholreichen Nacht vor rund zwei Jahren rekonstruieren.

Am Ende verhängte das Gericht gegen vier Angeklagte im Alter zwischen 21 und 22 Jahren eine Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten, der mutmaßliche Hauptangeklagte (21) wurde zu zwei Jahren verurteilt. Alle Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Die Männer hatten am Abend des 15. Mai 2010, teilweise in Begleitung ihrer Freundinnen, eine Wuppertaler Diskothek besucht. Alle sollen bis in die frühen Morgenstunden getrunken haben. Der Hauptangeklagte gab an, ihm sei übel geworden und er habe Luft schnappen wollen. Auf dem Weg nach draußen soll er mit einem Bediensteten aneinandergeraten sein.

Dessen Aufgabe war es, Verzehrkarten der Gäste beim Verlassen der Disco zu überprüfen, um Zechprellerei zu verhindern. Der Mitarbeiter sagte aus, er habe den angetrunkenen Mann angesprochen. Dieser habe daraufhin wutentbrannt seine Freunde herbeigeholt. Alle fünf sollen den Mitarbeiter mit Schlägen und Fußtritten traktiert haben. Das Opfer erlitt mehrere Brüche und eine Gehirnerschütterung und war zwei Monate nicht arbeitsfähig. Die Angeklagten schilderten eine vollkommen andere Version des Tathergangs. So habe der heute 21-jährige Discomitarbeiter den mutmaßlichen Hauptangeklagten angegriffen und auf den Boden gedrückt. Daraus sei die Schlägerei entstanden. Eine Zeugin, die mit einem der Angeklagten befreundet ist, bestätigte diese Aussagen. Ein unbeteiligter Gast hingegen gab an, er habe mehrere Männer gesehen, die auf den Bediensteten einschlugen.

Die Verteidiger wandten ein, der Gast sei laut eigener Aussage ebenfalls betrunken gewesen und habe nicht alles in Erinnerung. Vier Anwälte forderten Freispruch, einer plädierte auf eine Jugendstrafe für seinen Mandanten. Das Gericht bezeichnete die Aussagen des Opfers und des männlichen Zeugen aber als glaubwürdig. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

(RP/rl)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort