Bewährungsstrafen im Solinger Shisha-Prozess

Angeklagte nehmen Urteil an: Bewährungsstrafen im Solinger Shisha-Prozess

Zwei Jahre auf Bewährung, dazu je 3000 Euro Zahlungen von beiden Angeklagten an das Opfer und zusätzlich Reparaturkosten der Autotür – so lautet Urteil nach einer Prügelei in Solingen.

 War das nun gemeinschaftliche schwere Körperverletzung, Nötigung, unterlassene Hilfeleistung und dazu noch räuberische Erpressung, um sich ein Auto anzueignen ? Mit derart schweren Vorwürfen war der Staatsanwalt gegen zwei Leverkusener vorgegangen, die im Oktober vorigen Jahres nach der Eröffnung einer Shisha-Bar in Solingen mit einem anderen Besucher in Streit geraten waren. Dieser hatte die beiden nach dem Schlussakkord in der Bar zurück nach Leverkusen mitnehmen wollen.

Gut ging das nur bis am Ende der Neuenkamper Straße. Bis dorthin hatten sich der nüchterne Fahrer und die betrunkenen Gäste im Streit schon derartig schief die Messe gesungen, dass sie der Fahrer dort aus dem Auto warf. Eine Prügelei war die Folge. Die Gäste forderten die Autoschlüssel und handelten sich damit den Vorwurf der Anklage ein, das Auto stehlen zu wollen. Ein vorbeikommendes Taxifahrer hielt erst an, gab dann jedoch panisch Vollgas. Dabei überfuhr er das Bein des Fahrers, der ins Taxi geflüchtet, nur halb eingestiegen und nun rausgefallen war.

Die Angeklagten, wieder nüchtern, hatten bereits am nächsten Tag versucht, die Angelegenheit herunterzuspielen. Schon im Krankenhaus wurde dem Opfer der Prügelei kleinlaut Schmerzensgeld angeboten. Ihre aktive Teilnahme an der Schlägerei und an der zerbeulten Fahrertür räumten sie ein. Strittig blieb nur der Taxi-Unfall, der noch juristische Folgen für den Taxifahrer haben wird. Fahrerflucht ist das eine Delikt, unterlassene Hilfeleistung das andere.

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Der vermeintliche Diebstahl des Autos war nicht lange ein Thema. Man wollte dort wohl nur Jacken mit den Geldbeuteln rausholen, deshalb die Forderung nach dem Schlüssel. Ganz in Moll die fast unbescholtenen Angeklagten, die zerknirscht eine riesengroße Dummheit bedauerten und auch schon einen Teil Wiedergutmachung geleistet hatten.

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich beeindruckt und blieb an der unteren Grenze des Strafmaßes. Ein Jahr auf Bewährung für den einen, der sich schnell aus dem Tumult verabschiedet hatte. Anderthalb Jahre für den Kumpel, der die Tür des Autos zusammengetreten und auch den Fahrer bis zum Taxi verfolgt hatte. Ähnliches kam von den Anwälten, die einen Rippenbruch durch einen Sprung in den Rücken des Fahrers als nicht nachgewiesen sahen und viele Verletzungen dem Fall aus dem Taxi zuordneten.

Das Gericht jedoch überbot die Staatsanwaltschaft mit seinem Urteil: Zwei Jahre für beide Angeklagten auf Bewährung, dazu je 3000 Euro Zahlungen an das Opfer und zusätzlich Reparaturkosten der Autotür. Einer der Angeklagten nahm die Strafe sofort an – der andere war willens, muss aber erst mit seinen beiden Anwälten klarkommen, die sich in der öffentlichen Verhandlung ein bemerkenswertes Kontra über die Zuständigkeiten lieferten.

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