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Bernd Blachowiak wuchs in Solingen auf und machte dann Karriere als Unternehmer in Lima.

Besuch in der alten Heimat : „Ich bin in Peru bekannt wie eine bunte Kuh“

Bernd Blachowiak wuchs in der Klingenstadt auf und machte dann Karriere als Unternehmer in Lima – obwohl er früh sein Augenlicht verlor.

Letzte Woche hatte Bernd Blachowiak Klassentreffen. 61 Jahre nach der Entlassung aus der Volksschule Meigen wurde in Unterburg gefeiert. Blachowiak hatte die weiteste Anreise und am meisten zu erzählen. Gesehen hat er seine alten Klassenkameraden dabei nicht: Der 1943 in Stettin geborene Großhändler ist seit seinem 37. Lebensjahr blind. Sehprobleme bekam er schon während der Schulzeit. Im Erwachsenenalter zerstörte die Krankheit Retinitis Pigmentosa dann die Netzhaut.

Da war Blachowiak bereits erfolgreicher Unternehmer – nicht in Solingen, wo er bei Gebr. Weyersberg zum Außenhandelskaufmann ausgebildet wurde, sondern in Lima. „In zwei Jahren habe ich 50-Jähriges“, sagt Bernd Blachowiak. Anfang 1970 wurde seine Firma Química Panamericana S. A. eingetragen. Sie importiert Pigmente in Pulverform und handelte früher auch mit Kunststoffen. „Bei Gebr. Weyersberg in Ohligs bin ich auf den Geschmack gekommen“, erzählt der Geschäftsführer. „Ich wollte immer raus und immer nach Lateinamerika. Bei Bayer in Leverkusen, wo ich danach als Exportsachbearbeiter tätig war, bekam ich dann das Angebot, für ein Jahr nach Peru zu gehen.“

Aus dem Jahr wurden Jahrzehnte. Denn Blachowiak, der gerne Spanisch lernte, gefiel es „super gut“ in Lima. „Nach anderthalb Jahren dachte ich zum ersten Mal: Was ich für Bayer mache, das kann ich auch alleine machen.“ Statt Teil eines 1200-Mitarbeiter-Unternehmens zu sein, stellte er sich auf eigene Füße.

„Ich bekam sehr gute Firmen“, erklärt der 75-Jährige seinen Erfolg. Die ersten Hauptlieferanten saßen in Köln und Bayreuth. „Wir waren immer klein, aber fein“, sagt Blachowiak über sein sechsköpfiges Team. „2011 wurde ich in Lima zum Unternehmer des Jahres gekürt. Ich bin in Peru bekannt wie eine bunte Kuh.“

Die politischen Wirren und blutigen Kämpfe in Peru mit Zehntausenden Toten überschatteten die Arbeit. „Es war nicht alles Gold, was glänzt“, berichtet der Auswanderer. Einen Halt fand er in der starken deutschen Gemeinschaft in Lima und der eigenen Familie. „Meine Ehefrau wurde als Tochter von Rumäniendeutschen in Lima geboren. Meine Kinder und Enkel sprechen ein einwandfreies Deutsch ohne Akzent.“

Nicht nur das: Sie haben das deutsche Abitur; ein Enkel studiert in Heidelberg Jura, eine Enkelin beginnt gerade ihr BWL-Studium in Essen. Bernd Blachowiak hält den Kontakt zu Deutschland und speziell zu Solingen durch Inge und Harry Schulz. Dessen Vater war (wie Schulz selbst) und Blachowiaks Vater bei der Polizei. Beim inzwischen dritten, diesmal sechswöchigen Besuch brachte der Importeur zwei Freunde mit. Zu fünft war man 18 Tage lang mit einem Mietwagen unterwegs, legte 4500 Kilometer zurück. Auf der Route lagen viele Stationen aus der Jugend des Auswanderers in Nord- und Ostdeutschland.

„Die Bilder sind bei ihm im Kopf“, sagt Ratsmitglied Harry Schulz über seinen Gast. „Er war mein Beifahrer, hat mir gesagt, auf welche Autobahn ich jetzt abbiegen muss.“ „Das Wichtigste sind mein Gehör und mein Gedächtnis‘“, erläutert Blachowiak. „Ich könnte heute noch sagen, wo ich in Solingen Fischbrötchen gegessen oder für den Post SV in der A-Jugend Fußball gespielt habe. Je schlechter meine Augen wurden, desto besser wurde mein Gedächtnis. Für viele bin ich ein Phänomen.“

Er könne auch Autos verkaufen, obwohl er sie nicht sieht, gibt der Unternehmer ein Beispiel. „Ich habe hunderte von Telefonnummern im Kopf, Preis- und Kundenlisten und jede Menge andere Zahlen.“ Neben der Arbeit in der kleinen familieneigenen Aktiengesellschaft bleibt das Hobby Geschichtsforschung. „Ich verfolge sehr gerne den History Channel. Es gibt nichts, was mich nicht interessiert. Ich möchte meinen Geist bewegen und auf Trab halten.“