Symposium des Wupperverbandes „Wir müssen alles daransetzen, dass der Zustand der Wupper sich weiter verbessert“

Bergisches Land · Rund 200 Experten der Wasserwirtschaft beteiligten sich bei einem Symposium des Wupperverbandes in der Wuppertaler Stadthalle. Gewässerentwicklung und Klimafolgenanpassung standen im Mittelpunkt.

Nach dem Hochwasser von Juli 2021 hat der Wupperverband den Uferbereich nahe des Balkhauser Kottens saniert.

Nach dem Hochwasser von Juli 2021 hat der Wupperverband den Uferbereich nahe des Balkhauser Kottens saniert.

Foto: Wupperverband

Die Wupper war früher ein „totes Gewässer“. Das hat sich in den vergangenen Jahren nachhaltig geändert. „Heute sprechen wir von einem Fluss, in dem Fische wieder heimisch sind, selbst Lachse sind zu beobachten“, sagt Detlef Reinders von der Bezirksregierung Düsseldorf. „Vorbildlich“ nennen Reinders, aber auch der Hauptdezernent Wasserwirtschaft der Bezirksregierung, Jörg Matthes, den Zustand der Wupper. „Und wir müssen alles daransetzen, dass der Zustand sich weiter verbessert“, sagt Matthes.

Das sehen auch Ingo Noppen und Thomas Klein vom Wupperverband so. Der sieht sich in der Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 gut auf dem Weg. „Wir haben in unserem ambitionierten Programm mit 1225 Einzelprojekten inzwischen bereits Halbzeit erreicht“, berichtet Wupperverbandsvorstand Ingo Noppen. Die Gewässer beziehungsweise die Wupper und all ihre Nebenflüsse schützen – das ist die Kernaufgabe des Wupperverbandes. Mittlerweile ist die Wupper „ein lebendiger Fluss mit vielen Fischarten“ geworden.

Aber es gibt noch viel zu tun. „Wir wollen weniger Abwasser in den Gewässern und werden die Wupper-Sanierung in den kommenden Jahren weiter forcieren“, kündigt Thomas Klein an. Beispielhaft führt er hier die Renaturierung eines elf Kilometer langen Abschnittes am Oberlauf der Wupper an.

Denn lebendige Flussabschnitte mit viel Dynamik nehmen auch Fische und andere Arten an. „Es sind auch Eisvögel und Wasseramseln zu beobachten“, weiß Ingo Noppen. Von daher sei man stolz auf die bisherigen Ergebnisse. Noppen: „Natürliche Gewässer sind nicht nur gut für die Ökologie, sondern auch für die Hochwasservorsorge.“

Weitere Maßnahmen zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie brauchen aber Zeit. War ursprünglich mit der Umsetzung aller Maßnahmen bis 2027 gerechnet worden, so hat man nun das Jahr 2033 im Blick. Immerhin umfasst der Umsetzungsfahrplan für den Zeitraum von 2018 bis 2030 insgesamt 14 Millionen Euro an Investitionen – inklusive Fördergelder des Landes. Der Wupperverband entfernt hier unter anderem künstliche Uferbefestigungen und Verrohrungen an Bachläufen, er schafft natürliche und abwechslungsreiche Strukturen mit Steinen, Inseln und Totholzbäumen, weitet Gewässer auf und aktiviert, wo es möglich ist, die natürlichen Auen.

Das zahlt sich aus. Immerhin hat der Wupperverband bereits auf 32 Prozent der Flussabschnitte einen „guten Zustand“ erreicht – ganz im Sinne der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Für Detlef Reinders von der Bezirksregierung ein sehr guter Wert, zumal derzeit nur durchschnittlich 13 Prozent der bundesdeutschen Flüsse einen „guten Zustand“ aufweisen. „Beim Wupperverband haben wir offene Türen für Maßnahmen gesehen. Bei anderen klemmten hingegen Türen“, sagt Reinders. Dort musste viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, ergänzt der Mitarbeiter der Bezirksregierung.

Hand in Hand mit der Gewässerentwicklung geht auch ein verbesserter Hochwasserschutz. In Zeiten des Klimawandels, verbunden unter anderem mit höheren Temperaturen oder Starkregenereignissen, ist dies unabdingbar. Denn mehr Raum zur Entfaltung der Wupper bedeutet höhere Aufnahmekapazitäten für das Wasser bei Regen. So würden Mensch und Natur profitieren. „Wo die Renaturierung des Flusses fortgeschritten ist, hat auch die Biologie bessere Chancen“, sagt Hauptdezernent Jörg Matthes.

Welche Einflüsse der Klimawandel für die Gewässerwirtschaft hat und welche Anpassungsstrategien erforderlich sind, hierüber diskutierten Experten jetzt im Rahmen des mittlerweile 27. Symposiums Flussgebietsmanagement / Gebietsform Wupper in der Stadthalle Wuppertal. Die Veranstaltung, zu der sich rund 200 Teilnehmer angemeldet haben, wird am heutigen Donnerstag fortgesetzt.

Für Jörg Matthes und Detlef Reinders von der Bezirksregierung Düsseldorf sowie Ingo Noppen und Thomas Klein vom Wupperverband ist aber klar: Bei der Klimafolgenanpassung ist die gesamte Gesellschaft gefragt. Die Städte müssten widerstandsfähiger gegen Hitze, Dürre, Starkregen oder Hochwasser werden. Gelingen könnte dies mit mehr Grün in den Städten und auf Dächern, Flächen zur Versickerung und zur Speicherung von Regenwasser, wie es sogenannte Schwammstadtkonzepte vorsehen. Auch hieran arbeitet der Wupperverband mit dem Zukunftsprogramm Hochwasserschutz und nimmt dabei die Aspekte „zu viel Wasser“ (Hochwasser) und „zu wenig Wasser“ (Trockenheit, Dürre) unter die Lupe.