Bergischer HC bekommt seine Grenzen aufgezeigt

Handball : BHC bekommt seine Grenzen aufgezeigt

Im 16. Saisonspiel reißt die bislang makellose Serie des Bergischen HC in der 2. Handball-Bundesliga. Der VfL Lübeck-Schwartau trumpft beim 30:25 (18:18)-Erfolg groß auf.

Dass es den Bergischen HC in den derzeitigen Spitzenspielen einmal erwischen könnte, war eine durchaus anzunehmende Option. Dass sich die erste Saisonniederlage aber derart früh abzeichnen würde, das kam einer faustdicken Überraschung gleich.

Bereits nach 14 Minuten nahm Torge Greve, der Trainer des VfL Lübeck-Schwartau, eine Auszeit - bei eigener 7:5-Führung nach starkem Beginn. Würde der Gäste-Coach damit seinem Gegenüber Sebastian Hinze die Chance geben, sich besser einzustellen ? Mitnichten: Die Norddeutschen zogen bis zur 21. Minute auf 14:6 davon, die Entscheidung vor rund 2400 Zuschauern in der dennoch jederzeit stimmungsvollen Klingenhalle war so gut wie gefallen. Kein einziges Mal gelang es dem BHC in Führung zu gehen - so stand am Ende eine verdiente 25:30 (13:18)-Niederlage. "Wir haben nicht gut gespielt und ein Spiel verloren. Aber wir haben auch alles selbst in der Hand", meinte der sechsfache Torschütze Fabian Gutbrod. Recht hatte er mit beiden Teilen seiner Aussage.

Viele Gründe gab es, dass die Bergischen erstmals seit Ende Mai (gegen Melsungen) daheim und Anfang Juni (in Magdeburg) überhaupt eine Liga-Niederlage kassierten. Als da wären:

Die Trainer: Klarer Punktsieg für Torge Greve, der von Beginn an mit dem siebten Feldspieler agieren ließ - darauf fand der BHC nicht die passende Antwort. Damit habe er in dieser extremen Handhabung nicht gerechnet, meinte dessen Trainerkollegen Sebastian Hinze, der sich unter anderem bei seinen Linkshändern verzettelte. Die Wurfkraft von Bogdan Criciotoiu legte er zu spät in die Waagschale.

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Die Torhüter: Klares Plus für Lübeck in Person von 2,10-Meter-Riese Dennis Klockmann, der aber auch keine Glanzleistung ablieferte. Seine Gegenüber indes standen klar im Schatten.

Die Tore: Nur 25 Tore hatte der Bergischer vorher auch schon zwei Mal erzielt und dadurch in Eisenach sowie bei Rimpar gewonnen. Diesmal wurden weitere Treffer unter anderem dann versäumt, wenn man das durch die Lübecker Taktik verwaiste Tor anpeilte: Christopher Rudeck, Leos Petrovsky und Linus Arnesson scheiterten.

Eine wirkliche Chance, dem Ganzen noch eine Wende zu geben, gab es lediglich zwischen der 42. und 45. Minute. Linus Arnesson brachte die Kulisse zum Kochen. Zunächst fing der sprunggewaltige Schwede einen Konter in brillanter Manier ab und traf dann selbst ebenso sehenswert. Milan Kotrc' Heber zum 20:23 bedeutete den knappsten Rückstand nach langer Zeit. Doch die Hoffnung währte nur kurz, die Norddeutschen setzten ihre abgeklärte Spielweise in einen Zwischenspurt zum wahrlich entscheidenden 26:20 um. "Wir hätten in der zweiten Halbzeit alles richtig machen müssen, das ist uns nicht gelungen", resümierte Fabian Gutbrod und attestierte dem Kontrahenten eine variable, geduldige Spielsweise.

Mit der nötigen Aggressivität ging der VfL ebenfalls zu Werke, der Spitzenreiter tat dies in seinem Abwehrverhalten erst nach rund einem Drittel der Partie. So sah es auch Viktor Szilagyi. "Es ist keine Überraschung, dass wir in jedem Spiel ans Leistungslimit gehen müssen. Das hat nicht geklappt", meinte der Sportliche Leiter. Einfache Tore besaßen Seltenheitswert, immer wieder wurden bittere Fehler eingestreut - so der Fehlpass von Tomas Babak, der nach hinten heraus ebenso wie Arnesson offensiv deckte.

Alle Maßnahmen wie eigener siebter Feldspieler sollten nicht fruchten, der Frust wurde realistisch bekämpft. Viktor Szilagyi: "Je länger eine Serie läuft, desto wahrscheinlicher wird es, dass sie reißt." Der baldige Kieler absolvierte nach fünfeinhalb Jahren seinen letzten öffentlichen Auftritt in Solingen - und er weiß, dass im weiteren Saisonverlauf vieles besser laufen muss: "Es ist ein schwieriger Dezember, aber wir haben uns auch eine sehr gute Situation erarbeitet."

(RP)
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