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Bergische Volleys überraschen mit Libero-Taktik

Volleyball : Volleys überraschen mit Libero-Taktik

Nach der 1:3-Niederlage im Erstliga-Kellerduell beim TV Rottenburg bleiben die Bergischen Volleys abgeschlagenes Schlusslicht der Volleyball-Bundesliga.

Verwundert rieben sich am Samstagabend viele die Augen: Egal ob unter den 1850 Zuschauern in der Tübinger Paul Horn-Arena, die Volleyball-Fans zu Hause am Livestream und nicht zuletzt Hans Peter Müller-Angstenberger. Der emotionale und extrovertierte Trainer des Volleyball-Bundesligisten TV Rottenburg dürfte mit ziemlicher Sicherheit Robert Bene auf der Liberoposition der Bergischen Volleys erwartet haben. Vollkommen logisch. Schließlich hatte der 22 Jahre alte Ungar zuvor alle Spiele absolviert.

Stattdessen aber tauchte Oliver Gies, eigentlich Außenangreifer, zudem Co-Trainer und Teammanager, im Gegensatz zu seinen schwarz-gelb gekleideten Teamkollegen im blauen Trikot auf. "Weil wir mit der aktuellen Annahmesituation nicht zufrieden waren, wollten wir ein komplett anderes taktisches Bild abliefern", erklärte Manager Helmut Weissenbach die Umstellung. Die erhoffte Stabilität im Annahmeriegel mit Gerrard Lipscombe und Iurgen Hummes Specht blieb trotzdem zu oft aus - am Ende feierten die Rottenburger ihren ersten Saisonsieg. Die Bergischen Volleys bleiben nach dem 1:3 (18:25, 25:19, 23:25, 23:25) mit null Punkten das Schlusslicht der Liga.

"Den ersten Advent hätte ich mir anders gewünscht", sagte Weissenbach am Sonntag, der Oliver Gies als Libero trotz der Niederlage ein gutes Zeugnis ausstellte: "Er hat ein wirklich solides Spiel gemacht, und auch für die Zukunft könnte es ein taktisches Mittel sein."

Der 32-Jährige selbst erklärte, dass er in Eltmann mal eine halbe Saison auf dieser Position gespielt habe - das sei aber auch schon zehn Jahre her. "Aber als Außenangreifer kann man jederzeit als Libero einspringen", sagt Gies, der in der Saison 2006/07 für Rottenburg spielte. Da der Libero im Volleyball nicht angreifen darf, konnte sich der spielende Co-Trainer komplett auf die Annahme und die Abwehr konzentrieren.

Robert Bene hingegen musste die gesamten 100 Minuten von der Bank aus zuschauen. "Natürlich war er ein wenig geknickt, aber so schlimm war es für ihn nicht", sagt Oliver Gies. "Er weiß, woran er arbeiten muss." Auch Helmut Weissenbach sieht weiterhin Potenzial in dem 22-Jährigen und erklärt: "Er ist noch jung, und es ist seine erste Saison in der Bundesliga."

Nach zwei deutlichen Sätzen - 25:18 für Rottenburg und 25:19 für die Volleys - hatten die Gäste die Chance, auch den dritten Abschnitt zu holen. 16:12 führte das Team von Johan Isacsson. Nach unnötigen Fehlern, unter anderem ein Ball ins Netz von Lipscombe und eine verunglückte Annahme von Hummes Specht, stand es bald aber 17:17. Beide Sätze - der dritte und der vierte - gingen schließlich mit 25:23 an den Gastgeber, der damit nun einen Vorsprung von vier Punkten auf den Abstiegskonkurrenten aus dem Bergischen hat.

"Die Leidenschaft hat gesiegt. Es war eine Höllenstimmung", fasste Weissenbach die Partie zusammen. "Unterstützt von fast 2000 Zuschauern wollten Trainer und Spieler des TVR den Sieg mehr." Zudem hatte Ex-Volleys-Spieler Tim Grozer einen glänzenden Tag erwischt. Der 19-Jährige war bester Angreifer der Gastgeber. Er wurde, ebenso wie zum wiederholten Male Zuspieler Johannes Tille aufseiten der Bergischen Volleys, als wertvollster Spieler seiner Mannschaft mit der Medaille ausgezeichnet.

(RP)