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Solingen: Bergeweise Ärger

Solingen : Bergeweise Ärger

Eigentlich wollten die Mitglieder der Laubenanlage Sommerberg nur Mutterboden für ihre Gärten – aber stattdessen gab's vier Lkw-Ladungen Bauschutt und den Zorn der Nachbarn obendrauf. Jetzt soll entsorgt werden.

Eigentlich wollten die Mitglieder der Laubenanlage Sommerberg nur Mutterboden für ihre Gärten — aber stattdessen gab's vier Lkw-Ladungen Bauschutt und den Zorn der Nachbarn obendrauf. Jetzt soll entsorgt werden.

Es war ein Dienstag im August, und zuerst wusste Wolfgang Schellenbeck nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Der Mann ist 1. Vorsitzender der Kleingartenanlage Sommerberg zwischen Kannenhof und Hasseldelle. Er sowie die anderen Laubenbesitzer hatten bei einer Firma Mutterboden geordert — doch auf dem riesigen Erdhaufen, der sich nun auf dem mit Rasen bepflanzten Parkplatz vor der Anlage auftürmte, würde, das war Schellenbeck sofort klar, niemals irgendetwas wachsen.

Anwohner schimpfen über Dreck

"Dumm gelaufen", sagt der Vorsitzende heute, fünf Monate, nachdem die Sendung die Kleingärtner erreichte — und bis jetzt nicht wieder verlassen hat. Es ist ein kalter Mittag, Reif hat sich auf den vier Lkw-Ladungen großen Berg aus Lehm und Steinen gelegt. Der Schutthaufen, der den Gärtnern inzwischen bergeweise Ärger eingebrockt hat, ist hart gefroren und an einen Abtransport nicht zu denken. "Wir haben auch Interesse, dass dieser Baustellen-Aushub schnell verschwindet", erklärt Schellenbeck, der ursprünglich geplant hatte, mit Muttererde die Anlage zu verschönern.

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Stattdessen verschandeln nun Steine sowie Lehm den Zugang. Und der Dreck hat sich überdies wie eine Mauer zwischen die Laubenbesitzer und ihre Nachbarn geschoben. "Ein Schandfleck", schimpft eine Frau — und noch dazu eine Gefahr für Kinder. "Wenn die Kleinen mit Steinen werfen, kann etwas geschehen", fürchtet die Dame, die darum fordert, dass der Erdhügel entsorgt wird: "Besser heute als morgen."

Das sieht man bei der Stadt nicht anders. Aber für ganz so dramatisch hält man die Lage an der Straße Erbenhäschen dann auch wieder nicht. "Solange keine Gefährdung der öffentlichen Ordnung vorliegt", bestehe kein akuter Handlungsbedarf, stellt Detlef Münch, Leiter des Stadtdienstes Ordnung, klar.

"Spätestens im Februar", versichert Wolfgang Schellenbeck, soll der Erdhaufen dem Erdboden gleichgemacht werden. "Wir planen, das Geröll für Abstützarbeiten zu verwenden", erklärt er. Darüber hinaus würden Schlaglöcher auf dem Parkplatz planiert. Mit der Firma, die den Schutt lieferte, sei man übereingekommen, den Schaden gemeinsam zu beseitigen. Immerhin hatte ein Vereinsmitglied, das bei dem Unternehmen beschäftigt ist, den Deal eingefädelt. Nur leider stammt der Mann aus Ex-Jugoslawien — und so nahm die "nicht geplante Pleite" (Schellenbeck) auf Grund sprachlicher Missverständnisse ihren Lauf.

Weniger Arbeit

Sei's drum, zumindest eine Gruppe wird — neben den Kindern — den Schotter vermissen. Die Kleingärtner haben das Parkplatzgrundstück auf der ehemaligen Straßenbahntrasse Wuppertal-Solingen von der Stadt Wuppertal gepachtet. Die Nachbarkommune schickt zwei Mal pro Jahr Arbeiter vorbei, die den Rasen mähen.

Und denen wiederum war der Haufen sogar ganz Recht. Ihr Kommentar: "So haben wir weniger Arbeit."

(RP)