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Beerdigungen in Solingen in Zeiten von Corona

Abschied nehmen : Familien trauern am Grab oft allein

Obwohl die Anzahl der Gäste nicht reglementiert ist, bleibt die Trauergemeinde oft auf einen kleinen Kreis beschränkt.

Allzu große körperliche Nähe zu Personen außerhalb des eigenen Haushalts weitgehend zu meiden ist vielen Menschen nach zwölf Monaten Corona längst in Fleisch und Blut übergegangen. Doch manchmal ist das Bedürfnis zum anteilnehmenden Händedruck oder einer herzlichen Umarmung eben doch stärker als die Angst vor dem Virus – besonders, wenn es darum geht, Trost zu spenden. „Manche Trauergäste vergessen die geforderte Distanz in diesem besonderen Moment einfach“, erzählt Birgit Di Gaetano, die sich als Friedhofsverwalterin der katholischen Pfarrgemeinde St. Sebastian um die Friedhöfe an der Hackhauser und Rosenkamper Straße kümmert. Insgesamt hielten sich die Besucher bei Beerdigungen aber sehr gut an die Abstands- und Hygiene-Regeln. Eine Nachverfolgung wegen eines Infektionsfalles habe man bislang nicht aufnehmen müssen.

Und teilweise ist es offenbar die Mischung aus Disziplin und Vorsicht, die den letzten Weg Verstorbener gerade in diesen Zeiten oft zu einem einsamen werden lässt. Denn neben großen Bestattungen mit mehreren Dutzend Anwesenden habe es zuletzt auch vermehrt sehr kleine Beisetzungen gegeben, bei denen allenfalls eine Handvoll Verwandte am Grab standen. „Es ist sehr traurig, das zu erleben“, sagt Di Gaetano. Zumal viele alte Menschen angesichts der bestehenden Kontaktarmut bereits allein starben. „Dann blieben viele Dinge unausgesprochen“, gibt die evangelische Dorper Pfarrerin Raphaela Demski-Galla bedrückte Berichte von Trauernden wieder, deren Angehörige in Pflegeheimen oder Krankenhäusern abseits des gewohnten Umfeldes aus dem Leben schieden. Auch der Rückhalt durch große Trauergesellschaften in der gefüllten Kirche fehle vielen Hinterbliebenen, erklärt Demski-Galla.

Wie viele Menschen sich bei der Beerdigung in der Kapelle aufhalten dürfen, richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten, von der Größe des Raumes über die Höhe bis zu den Möglichkeiten des Lüftens. „In unserer kleinste Kapelle dürfen zehn Platz nehmen, in der größten maximal 25“, berichtet Thomas Förster, Pressepfarrer des evangelischen Kirchenkreises.

Wie die Situation auch die inhaltliche Gestaltung der Trauerfeier beeinflusst, berichtet wiederum die Walder Pfarrerin Kerstin Heider: Habe sie in der Vergangenheit stärker die Biographie der Verstorbenen in den Mittelpunkt gestellt, spreche sie heute mehr über das Loslassen und den Trost. „Es ist ein intimerer Raum geworden, weil häufig nur die engste Familie zur Trauerfeier kommt“, erzählt sie, und fügt hinzu: „Ich kann mehr auf die Menschen eingehen, die vor mir sitzen. Und vielleicht kann ich das auch in eine Zeit nach Corona retten.“ Auf diese Zeit warten laut Birgit Di Gaetano mitunter auch Hinterbliebene, die ihre verstorbenen Verwandten einäschern ließen: „Manche versuchen, den Termin für die Urnenbestattung zu verschieben.“