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Bebauungsplan in Solingen-Widdert nimmt weitere Hürde.

Börsenstraße in Solingen-Widdert : „Das kann keine Reichensiedlung sein“

Im Sommer 2018 war Dr. Norbert Zimmermann als Geschäftsführer der Kissel-Gruppe „guter Hoffnung“: Er nahm an, dass der Bebauungsplan H 667 Ende jenes Jahres stehen würde – bei der Vorgeschichte des Widderter Areals eine mutige Prognose.

Tatsächlich kann „H 667“ erst jetzt ausgelegt werden – ein B-Plan, der auf die Initiative von Investoren zurückgeht. „Der Plan ist entscheidungsreif“, sagte Bernd Krebs, Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt, Klimaschutz und Mobilität vergangene Woche vor einer gemeinsamen Sitzung mit der Bezirksvertretung Burg/Höhscheid.

„Das ist mein Kind seit 18 Jahren“, kommentiert Norbert Zimmermann, der Projektentwickler und nach eigenen Angaben inzwischen Eigentümer fast aller Grundstücke ist. Das gut 25.000 Quadratmeter große Areal schließt sich an das Gebiet Weckshof an und sollte ursprünglich gemeinsam mit ihm verwirklicht werden. Das scheiterte nicht zuletzt an der Vielzahl der Grundbesitzer und ihren Interessen. Auch in der öffentlichen Meinung war das Gebiet umstritten. Während der Flächennutzungsplan bereits in den 70er Jahren hier Wohnen vorsah, wurde 1995 bei der Stadtbiotopkartierung empfohlen, „halboffene Bereiche“ von der Bebauung auszunehmen.

2004 enthielten erste Pläne für das Gebiet östlich der Börsenstraße noch 16 Reihenhäuser, 26 Doppelhaushälften und fünf Einzelhäuser. Zwei Jahre später waren es noch 24 Doppel- und 17 Einzelhäuser, 2016 dann 33 Gebäude. Jetzt ist die Rede von 24 Häusern: 17 freistehenden Einzelhäusern, maximal drei Doppelhaus-Anlagen und einem Mehrfamilienhaus mit fünf Wohnungen. Von „qualitativ hochwertiger Bebauung auf großen Grundstücken“ ist in einer Vorlage die Rede.

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Die Wohnungen will Norbert Zimmermann selbst rasch bauen lassen und vermieten. „Das kann keine Reichensiedlung sein“, betont der Investor. Für die übrigen Grundstücke gebe es bereits zahlreiche Anfragen von Interessenten aus Solingen und dem Umland. „Ich verkaufe aber nicht nur nach Preis“, unterstreicht Zimmermann, der selbst an den Klingenpfad ziehen will und potenziellen Nachbarn einen Anforderungskatalog für eine ökologische Siedlung präsentiert. „Deshalb scheiden viele als Erwerber aus.“

Es soll beispielsweise begrünte (Garagen-)Dächer, Hecken statt Zäunen und eine Versickerung des Regenwassers geben. Kaufverträge mit Interessenten habe man noch nicht abgeschlossen; der Quadratmeterpreis könne um die 400 Euro liegen.

In der gemeinsamen Sitzung des Planungsausschusses und der Bezirksvertretung herrschte – anders als beispielsweise vorher in der BV – keine Einmütigkeit. Kritik kam von den Grünen und der Linkspartei. Dietmar Gaida, Grünen-Sprecher im Ausschuss, lehnt den Plan und den „exklusiven Wohnungsbau“ ab: „Es ist ein artenreiches Gebiet mit vielen Obstwiesen, deshalb ist es falsch, in diesem Außenbereich zu bauen.“ Erik Pieck, Sprecher der Linken, hält H 667 für nicht zeitgemäß: „Wir sind gegen den Bebauungsplan, er stellt eine Zersiedelung der Landschaft dar, auch wenn er schon eingedampft worden ist.“

Bezirksbürgermeister Axel Birkenbeul (SPD), der die gemeinsame Sitzung leitete, erinnert ebenfalls daran, dass die vorgesehene Bebauung „dauernd abgespeckt“ wurde: „Für mich ist das ein gutes Wohngebiet. Im Grunde genommen hätte die Fläche schon vor vielen Jahren bebaut werden können.“ Sein Stellvertreter Paul Westeppe (CDU) nimmt ein Argument aus einer Vorlage der Stadtverwaltung auf. Sie schreibt H 667 eine große Bedeutung zu, weil es in Solingen wenig Flächen für freistehende Einfamilienhäuser gebe. Westeppe: „Das ist eine vernünftige Lösung. Der landschaftspflegerische Begleitplan ist sehr ordentlich gemacht. Wir müssen Wohnraum in unterschiedlicher Qualität anbieten.“ Oder, wie es Jan Salewski, BfS-Sprecher im Planungsausschuss, formuliert: „Wir schließen uns dem Sozialneid der Vorredner nicht an.“ Wie viele Monate noch bis zum Bau des ersten Hauses vergeht, wird sich zeigen. H 667 wird jetzt öffentlich ausgelegt, während Norbert Zimmermann als nächstes die Erschließung plant: „Ich will direkt nach dem Ratsbeschluss die Straße bauen.“