Immobilienmarkt in Solingen Der Hauspreis liegt jetzt bei einer halben Million

Solingen · Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte hat seinen aktuellen Grundstücksmarktbericht vorgelegt. Ein frei stehendes, nach 1976 gebautes Einfamilienhaus kostet demnach in Solingen mittlerweile im Durchschnitt 560.000 Euro. Welche Preise sonst noch aufgerufen werden.

Das Projekt „Greeen“ von Kondor Wessels ist eines der wenigen Wohnbauprojekte, die in Solingen noch umgesetzt werden.

Das Projekt „Greeen“ von Kondor Wessels ist eines der wenigen Wohnbauprojekte, die in Solingen noch umgesetzt werden.

Foto: KondorWessels

In Solingen wurden im vergangenen Jahr so wenig Immobilien verkauft wie nie zuvor. Das zeigt der aktuelle Grundstücksmarktbericht für Solingen auf, den jetzt der Gutachterausschuss veröffentlicht hat. Er orientiert sich an den Kaufverträgen des vergangenen Jahres, die dem Ausschuss von Notaren vorgelegt wurden. Er spiegelt also, wenngleich im Nachhinein, die tatsächlich gezahlten Preise in der Klingenstadt wider.

Demnach gab es im vergangenen Jahr lediglich 100 Verkäufe unbebauter Grundstücke, so wenig wie noch nie. Das sagt der Vorsitzende des Ausschusses, Achim Filenius. Insgesamt konnten die Immobilienfachleute 902 Verträge auswerten. Auch das sind vergleichsweise wenig, was auf „eine große Zurückhaltung auf dem Markt“ hinweise.

Das hat zur Folge, dass im vergangenen Jahr nur noch Umsätze in Höhe von gerundet 302 Millionen Euro mit Immobiliengeschäften gemacht wurden. Zum Vergleich: Im Vorkriegs- und Krisenjahr 2021 waren es noch 529 Millionen Euro, seinerzeit ein Höchstwert. Bebaute Grundstücke machten damals wie heute den Löwenanteil von seinerzeit 61 und jetzt sogar 70 Prozent aus.

Doch zugleich sind, bedingt durch ein knappes Angebot, die Preise für Immobilien gestiegen. So kosten frei stehende Ein- und Zweifamilienhäuser, die ab 1976 gebaut wurden, zwischen 250.000 und 910.000 Euro. Der Median, also der mittlere Wert, liegt dabei bei 560.000 Euro. Bei Häusern, die ab dem Jahr 2000 gebaut wurden, liegt der mittlere Preis bei 570.000 Euro.

Ein Großteil der Häuser in Solingen ist laut Gisela Eichler vom Gutachterausschuss um das Jahr 1960 erbaut. Hier finde derzeit ein Generationenwechsel statt. Häuser, die zwischen 1950 und 1975 errichtet wurden, kosten laut Grundstücksmarktbericht aktuell rund 440.000 Euro. Damit ist es jedoch nicht getan: „Bei einem Haus aus den 1980er Jahren kann man eigentlich alles neu machen, und dann sind wir bei den Kosten im Bereich eines Neubaus“, sagt der städtische Beigeordnete Andreas Budde mit Blick auf Heizung, Dämmung und Elektroleitungen. Und das gelte natürlich auch für ältere Bauwerke. Daher sei von Interessenten ein weitaus größerer Finanzierungsbetrag zu stemmen als nur die Kaufsumme.

Der Quadratmeterpreis für Neubauten liegt im Schnitt bei 4330 Euro, so dass auch diese für junge Familien kaum noch erschwinglich sind.

Auf hohem Niveau befinden sich auch die Preise für Eigentumswohnungen: Sie bewegen sich bei guter Lage zwischen 420 und 470 Euro pro Quadratmeter.

Preise, die von einer vermögenderen Klientel durchaus zu bezahlen sind: Zum einen gebe es durchaus Interessenten, die ein Grundstück mit bestehendem Haus kaufen und es dann abreißen, hat Filenius beobachtet und bezeichnet das bereits als einen Trend. Immer häufiger werden außerdem Kaufverträge mit auswärtigen Käufern geschlossen (281 von 902 Kaufverträgen): Davon sind ein Drittel Düsseldorfer und ein weiteres knappes Drittel Kölner. Die Lage Solingens sei schon „attraktiv für diesen Bereich“, sagt Budde. Nicht nur für sie, aber auch für diese Neubürger gelte es, den ÖPNV noch weiter zu verbessern, sagt Beigeordneter Budde. Doch auch bei Schulen und Kitas „haben wir natürlich noch einiges zu tun“.

Aktuell beobachten die Fachleute zwar leicht sinkende Preise auf dem Immobilienmarkt – „eine Preisdämpfung ist erst einmal erreicht“, sagt Budde. „Doch wir werden nicht mehr auf das Niveau von vor fünf Jahren zurückfallen.“ Die Immobilienpreise bleiben also auf absehbare Zeit weiter hoch. Und für die Zukunft „werden wir einen angespannteren Markt bekommen, der noch stärker durch Angebot und Nachfrage geregelt wird. Und das wirkt sich dann auch auf die Mietpreise aus“, glaubt Budde. Soll heißen: Auch die Mietpreise könnten steigen. Dem hat die Stadt Solingen wenig entgegenzusetzen, denn bebaubare Grundstücke gibt es kaum noch: „Es gibt immer weniger Projekte, die in die Vorlaufphase kommen.“

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