1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Baudenkmäler in Solingen: Stadt digitalisiert die Denkmalliste

Baudenkmäler in Solingen : Stadt digitalisiert die Denkmalliste

Den nicht ganz einfachen Weg zum Denkmal erklärt unsere Gastautorin. Die Digitalisierung der Denkmalliste mit inzwischen etwa tausend Einträgen ist ein Großprojekt.

Nordrhein-Westfalen hat als eines der letzten Bundesländer erst am 11. März 1980 ein Denkmalschutzgesetz bekommen. Das bayerische Denkmalschutzgesetz ist beispielsweise bereits 1973 in Kraft getreten. Zunächst erfolgte dann die landesweite Erstinventarisierung durch das Denkmalfachamt. Im Rheinland war und ist das heutige LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, in Westfalen die LWL-Denkmalpflege zuständig. Diese Arbeit nahm eine gewisse Zeit in Anspruch, musste doch nach der Sichtung für jedes einzelne Objekt ein Eintragungstext erarbeitet werden.

Die Städte und Gemeinden erhielten in den Folgejahren sukzessive von den Denkmalfachämtern Listen mit allen für eine Eintragung vorgeschlagenen Objekten. In Solingen sind diese Vorschlagslisten nach Bezirken aufgeteilt worden. Diese Listen mussten von der Unteren Denkmalbehörde überprüft und als Beschlussvorlage in die städtischen Gremien eingebracht werden. Parallel trat auch eine ganze Reihe von Gebäudeeigentümern an die Untere Denkmalbehörde heran.

  • Ulrich und Elke Binus vor der
    Baudenkmäler in Solingen : „Die Hände waren mein einziges Kapital“
  • Um den Erhalt des Gotteshauses engagiert
    Baudenkmäler in Solingen : Die Evangelische Kirche – ein Glücksfall für Wald
  • Früher trafen sich hier die Gemeindemitglieder.
    Denkmäler in Solingen : Vom Versammlungsort zum Wohnhaus

Zudem gab es natürlich auch schon vor Inkrafttreten des Denkmalschutzgesetzes Baudenkmäler, formal aber nur privatrechtlich mittels Notarvertrag als Denkmal klassifiziert. Diese Masse an Objekten musste nun Anfang der 1980er Jahre formal in die per Gesetz neu geschaffene Denkmalliste eingetragen werden. Die Eintragung in die Denkmalliste erfolgt auch heute immer noch für jedes einzelne Objekt mittels Eintragungsbescheid an die Eigentümer, dem ein Anhörungsschreiben und der entsprechende Gremienbeschluss vorgeschaltet ist. Maßgeblich für die Nummerierung ist dabei die Reihenfolge der Bescheiderstellung und in der Anfangszeit sicherlich die Tatsache, für welche Objekte alle Verfahrensschritte abgeschlossen waren.

Eine Klassifizierung der Denkmäler entsprechend einer Wertigkeit sieht das Denkmalschutzgesetz generell nicht vor – jedes Objekt ist für sich zu betrachten und genießt den gleichen Schutzstatus, egal wie groß, klein, spektakulär oder unauffällig es wirken mag. Die regionale Bedeutung eines Objektes ist allenfalls daran ablesbar, dass bei herausragenden Objekten von gesamtstädtischer oder gar überregionaler Bedeutung ein Ratsbeschluss zur Eintragung erforderlich ist, während bei den übrigen Objekten die jeweilige Bezirksvertretung zuständig ist.

So wurden in Solingen die ersten 24 Eintragungsbescheide am 18. September 1984 erstellt. Es war wohl Zufall, dass die Akte des Gebäudes Lehn 5 ganz oben auf dem Stapel lag und so die Denkmallisten-Nummer 1 erhielt. Der letzte an diesem Tag ausgestellte Bescheid betraf Schloss Hackhausen, das daher unter der Nummer 24 geführt wird.

In den folgenden Wochen und Monaten wurden immer wieder, oft blockweise, zahlreiche Eintragungsbescheide erstellt. Bis Ende des Jahres 1984 waren so rund 300 Objekte formal in die Denkmalliste der Stadt Solingen eingetragen, bis Ende 1988 dann rund 800. Damit war das Gros der Vorschlagslisten abgearbeitet. In den Folgejahren wurden dann in deutlich geringerem Umfang noch offene Altfälle bearbeitet.

Bis heute kommen regelmäßig einzelne Denkmäler hinzu, rücken doch auch neue Zeitstellungen in den Fokus. Betrafen die frühen Eintragungen überwiegend Gebäude, die vor dem 1. Weltkrieg errichtet wurden, tritt heute vermehrt die Nachkriegsbebauung der 1950er und 1960er Jahre in den Fokus. In absehbarer Zeit wird auch die Bebauung der 1970er, 1980er und sogar der 1990er Jahre zu betrachten sein.

Aktuell wird das neueste Eintragungsverfahren unter der Denkmallisten Nr. 1051 geführt – bei aktuell 954 eingetragenen Baudenkmälern. Die Nummer der Denkmalliste gibt nicht die Anzahl der eingetragenen Baudenkmäler wieder, denn einige Verfahren sind noch abzuschließen, nicht alle Eintragungsverfahren endeten mit einer Eintragung in die Denkmalliste, und einige Eintragungen waren im Laufe der vergangenen 40 Jahre aus den unterschiedlichsten Gründen auch wieder zu löschen.

In den letzten Jahren schwankt die exakte Zahl der eingetragenen Baudenkmäler auch etwas, da es im Zuge der Digitalisierung der Denkmalliste zu veränderten Zählweisen kommt. So muss für jede Eintragung ein Datensatz angelegt werden, gleichzeitig kann eine Nummer aber nur ein einziges Mal vergeben werden, was in einigen Fällen zu Unterschieden in der analogen und digitalen Erfassung führt.

Die Digitalisierung der Denkmalliste ist das aktuelle Großprojekt, an dem die Untere Denkmalbehörde schon seit einiger Zeit arbeitet. Künftig soll nicht nur eine starre Tabelle online Auskunft über die Solinger Baudenkmäler geben, sondern eine mit dem Geoportal verknüpfte Datenbank detaillierte Informationen zu den einzelnen Baudenkmälern liefern. Das technische Grundgerüst hierfür ist mittlerweile fertig, die Einpflege der analogen Datenbestände in 954 Datensätze braucht jedoch ihre Zeit, zumal dabei auch formale und datenschutzrechtliche Belange zu beachten sind. Ein Datum für die Veröffentlichung ist daher noch nicht absehbar.

Unsere Gastautorin Mona Lohrengel ist Abteilungsleiterin Im Stadtdienst Denkmalpflege und für den Stadtbezirk Wald zuständig.