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Baudenkmäler in Solingen: Heiraten im Haus Kirschheide​

Baudenkmäler in Solingen : Wohnen, arbeiten und heiraten im Haus Kirschheide

In seiner wechselvollen Geschichte hat das Haus Kirschheide in Solingen viele Nutzungen erfahren. Und einmal wäre es sogar fast verschwunden.

Es gibt vermutlich wenige Solinger Gebäude, die öfter als Fotomotiv in Familienalben auftauchen als das Haus Kirschheide – Schloss Burg vielleicht noch oder die Müngstener Brücke. Schließlich nimmt der sprichwörtlich „schönste Tag des Lebens“ in der schmucken Villa an der Neuenhofer Straße sehr oft seinen würdigen Anfang: 750 bis 820 Paare geben sich an diesem Ort laut Stadtverwaltung pro Jahr das Jawort. Die Geschichte des prachtvollen, romantisch in eine Parkanlage eingebetteten Anwesens mit seiner strahlend weißen Fassade und den bergisch grünen Schlagläden reicht aber natürlich viel weiter zurück – und beinhaltet viele abwechslungsreiche Kapitel.

Im Jahr 1412, so geht es aus einer Ausarbeitung der Autoren Rüdiger Schneider-Berrenberg und Gustav Felix hervor, findet sich die erste Erwähnung des „Gut von der Heiden“ an diesem Platz. Dass das Grundstück überhaupt „Kirschheide“ heißt, hat nicht etwa mit der Vegetation zu tun – sondern mit dem Namen der einstigen Besitzer: Die Messermacher- und Schleiferfamilie Kirsch war im 18. Jahrhundert an diesem Ort zuhause. Sie verkaufte das Gelände im Jahr 1782 an den Klingenkaufmann Johann Abraham Knecht. Und der wiederum ließ drei Jahre später das Haus Kirschheide erbauen. Das klassizistische Landhaus mit dem charakteristischen Mittelrisalit um das Gebäudeportal war dabei eines der ersten Steinhäuser in der Umgebung. Wer der Architekt war, ist nicht mehr ganz klar. Die Vermutung von Historiker Schneider-Berrenberg führt jedoch zu Johann Georg Leydel, der in dieser Zeit ähnliche Bauwerke geplant hatte.

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Zunächst diente die Villa als Wohn- und Geschäftshaus. Historische Umwälzungen aller Art machten natürlich auch vor der Kirschheide nicht Halt. Im Jahr 1815, nach dem Ende des französischen Einflusses, wurde das Gebäude zum Wohn- und Amtssitz des preußischen Landrates. Der erste von ihnen soll sich an diesem Ort das Leben genommen haben. Die Eigentümerschaft wechselte noch mehrfach. Ein Kaufmann nannte das Haus ebenso sein Eigen wie ein Höhscheider Bürgermeister – und ab 1920 schließlich die Fabrikantenfamilie Felix, die eine aufwändige Renovierung in die Wege leitete. Im Zweiten Weltkrieg wiederum bot der Keller des Haus Kirschheide Schutz vor den Luftangriffen der Alliierten.

Ein weiteres bedeutendes Kapitel für das Anwesen begann im Jahr 1967 – und beinahe wäre es das letzte gewesen: Die Stadt Solingen erwarb das Gebäude – allerdings zunächst nicht, um das Kleinod zu erhalten, sondern um es zugunsten des Straßenbaus abzureißen. Das Ziel jener Jahre, die Infrastruktur der erwarteten Nachfrage anzupassen, brachte damals landauf landab allerlei planerische Kapriolen mit sich. Doch aus dem Vorhaben wurde nichts – und so erhielt das Haus Kirschheide eine neue Bestimmung: 1979 wurde es Sitz der „Zentralstelle für den deutschsprachigen Chorgesang in der Welt“, die dem Presseamt gehörte. Beim offiziellen Auftakt durfte natürlich auch der für seine Sangeskunst bekannte Bundespräsident Walter Scheel nicht fehlen.

 Die historische Villa hat eine wechselvolle Geschichte und wäre beinahe von der Stadt abgerissen worden.
Die historische Villa hat eine wechselvolle Geschichte und wäre beinahe von der Stadt abgerissen worden. Foto: Peter Meuter

Kurz zuvor hatte das Gebäude bereits eine Frischzellenkur erhalten. In Zusammenarbeit mit dem Landeskonservator restaurierte das Hochbauamt der Stadt das Haus in den Jahren 1978 und 1979 umfassend. Dielen, Fenster, Türen, Treppen, Dach und Fassade, Heizung und Böden – alles wurde erneuert oder in sein historisches Antlitz versetzt. Dabei legte man die edlen Stuckdecken aus früheren Zeiten frei – und verband zwei Räume zum Sitzungssaal. Der bietet mit seinen edlen Kronleuchtern und dem kunstvoll gearbeiteten Mobiliar das richtige, mondäne Ambiente, in dem sich Paare in Begleitung von Trauzeugen und Verwandten mit oftmals pochendem Herzen vor dem Standesbeamten oder der Standesbeamtin niederlassen – um anschließend für ein Erinnerungsfoto an den „schönsten Tag des Lebens“ vor der Fassade zu posieren. Folgerichtig bot das Standesamt im Haus Kirschheide nach und nach Samstagseheschließungen an und zog 1993, nachdem die Zentralstelle für den Chorgesang aufgelöst worden war, komplett dort ein.

So ist aus dem Landhaus von einst längst ein Ort geworden, an dem die Solinger für bedeutende Schritte – von der Trauung bis zur Geburtsanmeldung – ein und aus gehen.