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Solingen: Autoreifen im Internet bestellt und nie bezahlt

Solingen : Autoreifen im Internet bestellt und nie bezahlt

Zwischen Bestellung per Internet und Auslieferung der Reifen vergingen nur ein bis zwei Tage. Erst nach weiteren zwei Tagen wurde von den Lieferanten die Rechnungssumme per Lastschrift eingezogen, erst dann merkten die Verkäufer, dass bei den Bestellern nichts zu holen war.

Diesen Umstand nutzten vier Männer zum Betrug in großem Stil. Im November und Dezember 2011 entstand bei diversen Reifenhändlern ein Schaden von mindestens 78 000 Euro. Zwei der an dem Schwindel beteiligten Männer sind inzwischen verurteilt. Vor einem Jahr bereits sprach das Schöffengericht gegen einen 44-jährigen Familienvater eine zweijährige Haftstrafe zur Bewährung und 150 Stunden gemeinnützige Arbeit aus.

Jetzt stand ein weiterer Mann (26) vor Gericht, dessen Vater seinerzeit der Drahtzieher der Geschäfte war, den die Justiz aber bisher nicht aufspüren konnte. Klar ist inzwischen, dass einer der flüchtigen Männer im November 2011 mit einem falschen dänischen Reisepass eine Lagerhalle auf der Melbeckstraße anmietete. Dorthin wurden die im Internet auf "tyre24 de" bestellten Reifen geliefert, von dort soll sie der Vater des jetzt angeklagten 26-Jährigen nach Griechenland gebracht haben, um sie weiter zu verkaufen.

Der angeklagte Speditionskaufmann, der in einer Kölner Versandfirma einen Teilzeitjob hat, bekannte sich zu allen 192 Fällen schuldig. Es handelt sich um Bestellungen mit Rechnungssummen zwischen 100 und über 100 Euro. Der Angeklagte selbst will für seine Tätigkeit in der Lagerhalle, wo er die Bestellungen entgegennahm, kein Geld bekommen haben. Auch der Staatsanwalt sah den 26-jährigen Angeklagten nicht als treibende Kraft des gewerbsmäßigen Betrugs und beantragte eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Das Gericht bewertete das "reuige Geständnis" ebenso positiv wie die Tatsache, dass der Angeklagte bislang nicht vorbestraft ist. Es legte die Bewährungszeit auf drei Jahre fest. In diesem Zeitraum muss der Angeklagte monatlich 50 Euro an die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" zahlen.

(RP)