Auswahltrainer sorgt sich um den Nachwuchs

Schwerpunkt Jugendsport : Auswahltrainer sorgt sich um den Nachwuchs

Solingens Fußballer sind bei den Junioren erneut nicht auf Verbandsebene vertreten. Das hat für Frank Nerowski viele Gründe.

Wenn die talentiertesten Spieler des Fußball-Kreises Solingen montagabends zum Kreisauswahl-Training wollen, dann bedeutet das seit einigen Jahren eine ordentliche Reise. Sicher, Baumberg gehört freilich zum Kreis. Die Anlage der Sportfreunde liegt aber alles andere als zentral. Einer von vielen Aspekten, die der Solinger Kreisauswahltrainer Frank Nerowski anmerkt. Der schwache Senioren- und insbesondere Jugend-Fußball der Klingenstadt der letzten Jahre liege in "vielen Problemen" begründet, "die nun kumulieren".

Beispiel: Stützpunkt-Verlagerung von Wald nach Baumberg. "Der Platz, den wir in Wald hatten, war keineswegs optimal", findet Nerowski. Eine Alternative sei nicht angeboten worden, der Abgang nach Baumberg - wo die Infrastruktur besser sei - dann "tatenlos hingenommen" worden. "Dabei wäre es für das Image und auch für alle Solinger Vereine wichtig, dass die Kreisauswahl in der Stadt trainiert. Wir brauchen in Solingen aber nicht über Leistungsfußball reden, wenn der Hobbyfußball eine größere Lobby hat."

Nicht der einzige Punkt, den der 37-Jährige der Stadt ankreidet. Die Schließung des Ohligser Stadions sei ein großer Fehler gewesen - nicht zuletzt, weil so gar keine höherklassige Perspektive mehr bestehe. Wer jetzt in den Solinger Fußball investiere, der müsse erstmal eine Anlage bauen.

Überhaupt: die Union. "Der Wegfall dieses Vereins, dieses Vakuum, das kann keiner schließen." Was er freilich nicht der Stadt ankreidet: Den jahrelangen Union-Abgesang habe der Verein selbst zu verantworten. Früher seien die Kicker aus Monheim, Langenfeld und Hilden nach Solingen gekommen - heute gingen Jugendliche wie Senioren den umgekehrten Weg. "Wenn ich in die Nachbarstädte schaue, könnten wir eine schlagkräftige Solinger Mannschaft auf die Beine stellen. Wenn wir denn einen Verein dafür hätten."

Beispiel: Vereine. Auch hier sieht der Kreisauswahl-Trainer große Versäumnisse. "Zum einen haben wir wirklich Kirchturmdenken." Und zu viele Vereine, wenn doch selbst Monheim mit 40 000 Einwohnern mit zwei Vereinen auskäme. Von daher findet ein Fusions-Projekt wie das von Aufderhöhe und Sportring lobende Worte. Andere Vorgehensweisen - manche Vereine würden ihre besten Kicker nicht einmal zur Kreisauswahl schicken, weil diese dann weg sein könnten - nicht. "Wir sind ja keine Konkurrenz, im Gegenteil. Es ist ein wöchentliches Fördertraining für die besten."

Zudem glaubt Nerowski, dass immer noch Einzelpersonen um ihre "Macht" fürchten: "Die Vereine müssten für Innovationen offen sein, junge Trainer fördern. Wir müssen in Solingen doch die Kompetenz bündeln."

Der schleichende Niedergang - insbesondere im Jugendbereich - ist offensichtlich. Im zweiten Jahr hintereinander gibt es keinen Niederrheinligisten aus der Klingenstadt. Zugegebenermaßen waren die Teams, die in den Jahren davor in die Niederrheinliga gerutscht waren, dann auch meist nur Kanonenfutter.

Liegt es am schwächer werdenden Potenzial? "Die Kinder an sich sind nicht schlechter geworden", findet der Auswahltrainer. Dass anderswo Dorfvereine mit rund 200 Zuschauern im Schnitt in der Regionalliga spielen, Solingen aber maximal die Siebtklassigkeit bietet, macht dem Kreisauswahl-Trainer zu schaffen: "So viele Leute, denen in Solingen der Fußball wichtig war, melden sich heute nicht mehr." Ob Fans, Spieler, Sponsoren: Nach der Union seien die Fußballer heimatlos geworden.

Eine Lösung? Nur, wenn die Kräfte gebündelt würden.

(RP)
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