Bergische Volleys: Australier wollen die Liga aufmischen

Bergische Volleys: Australier wollen die Liga aufmischen

Samuel Boehm und Gerrard Lipscombe sind Volleyball-Profis. Die Neuzugänge wohnen zusammen und spielen gerne Schach.

Bei Samuel Boehm scheint sich alles um Volleyball zu drehen. Der Australier, der in der kommenden Saison für die Bergischen Volleys in der Bundesliga spielen wird, ist seit zwei Wochen in Deutschland. Normalerweise gibt man dann Sätze wie "Ich heiße Sam" oder "Wie geht es Dir?" zum Besten. Nicht so der Diagonalangreifer. Auf die Frage, was seine Deutschkenntnisse hergeben, antwortet der 29-Jährige grinsend: "Super Aufschlag." Und: "Dein Zuspieler ist verrückt." Samuel Boehm, den alle Sam nennen, ist nicht der einzige Australier im neu formierten Team. Gerrard Lipscombe kommt ebenfalls aus "Down Under".

Von dieser Gemeinsamkeit abgesehen, gibt es aber durchaus Unterschiede: Lipscombe ist erst 24 Jahre alt, ein paar Zentimeter kleiner, ist Außenangreifer, versteht und spricht sogar ein bisschen deutsch. "Ich habe es in der Highschool gelernt, zudem wohnt meine Tante in der Nähe von München", erklärt Lipscombe dann aber doch lieber auf Englisch. In der vergangenen Saison hat er in der Schweiz gespielt. Das "Schwiizerdütsch" dort habe er aber kaum verstanden. Sam Boehm hingegen war nur einmal in Deutschland: zum Beachvolleyballtraining in Köln. Im Sand fand auch das einzige Treffen der beiden jetzigen Teamkollegen statt. Daran erinnert sich aber nur Lipscombe: "Als ich 15 Jahre alt war, habe ich gegen Sam gespielt. Das war eine große Ehre für mich, denn er war einer der besten Beacher Australiens." Anschließend waren beide in den USA beziehungsweise Europa unterwegs, jetzt wohnen sie zusammen in einer WG in Wald. Zurzeit bereiten sie sich unter Trainer Johan Isacsson auf die Erstliga-Saison vor, die am 15. Oktober beginnt. Meist wird zwei Mal am Tag trainiert, gegessen wird oft im TSG-Vereinsheim. Wenn sie Zeit haben, kochen sie gemeinsam oder spielen Schach - am liebsten auf dem Balkon mit Blick aufs Bergische Land.

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Am vergangenen Wochenende haben sie mit dem Amerikaner Andrew Benz und U-21-Nationalspieler Johannes Tille Köln erkundet. "Der Dom war toll, und wir hatten typisch deutsches Essen mit Kölsch", erzählt Boehm. Bis sie ein Auto bekommen, ist das australische Duo in Solingen viel zu Fuß unterwegs, zum Beispiel auch eine halbe Stunde zum Kraft- und Athletiktraining in Gräfrath. "Es ist alles sehr professionell hier. Das Gym, das Training, die Trainer", sagt Boehm. "Es ist zudem sehr spannend. Alle sind neu und extrem motiviert." Man merkt beiden an, dass sie sich auf die Herausforderung freuen und die Bundesliga aufmischen wollen.

"Wir möchten jeden Tag dazulernen und mit dem Team in die Play-offs", sagt Lipscombe. Der 24-Jährige hofft, dass seine Eltern, die mit seinem Bruder in Prag wohnen, ihn mal besuchen kommen. Boehms Eltern hingegen leben in Australien. Ein Besuch ist also eher unwahrscheinlich. Dafür war seine Freundin schon da. Neben ihren Familien, da sind sie sich einig, werden die beiden in den kommenden Monaten den Strand und die Sonne vermissen. "Bald ist in Australien Sommer, und wir feiern Weihnachten vielleicht im Schnee", sagt der 29-Jährige, der dann bestimmt seine Deutschkenntnisse um "normale" Sätze wie etwa "Frohe Weihnachten" erweitert haben wird.

(RP)
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