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Ausstellung von Varda Meidar und Yossi Regev in den Güterhallen.

Städtefreundschaft : Künstler aus Ness Ziona zu Gast in der SK

Der Kunst- und Kulturaustausch zwischen dem Verein Solinger Künstler und den Künstlern der israelischen Partnerstadt geht mit einer Ausstellung in den Güterhallen in die zweite Runde.

Bereits im November 2019 konnten die Solinger Künstler ihre Arbeiten in Ness Ziona zeigen und wurden in Israel herzlich aufgenommen. Der Gegenbesuch musste Pandemie bedingt mehrmals verschoben werden, doch nun dürfen sich alle auf die feierliche Eröffnung der Ausstellung „Makom-Places-Orte der beiden israelischen Künstler Varda Meidar und Yossi Regev am Sonntag in der Galerie SK freuen.

Initiiert vom Verein Solinger Künstler findet der Kunstaustausch in Zusammenarbeit mit der Partnerstadt Ness Ziona, der Stadt Solingen sowie dem Freundeskreis Solingen/ Ness Ziona statt. Durch Unterstützung verschiedener Sponsoren war es möglich, den aufwändigen Transport der Kunstwerke aus Israel zu organisieren, Reise und Aufenthalt der Künstler zu ermöglichen und einen Katalog zu drucken. „Für die Vernissage konnten wir Bürgermeister Thilo Schnor und Frau Sylvia Löhrmann, Staatsministerin d.D. und Generalsekretärin des Vereins 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland gewinnen,“ erläutert Sabine Smith, die mit Judith Funke zusammen federführend für den Verein Solinger Künstler das Austauschprojekt betreut. „Ein Bläserquartett der Bergischen Symphoniker wird die Eröffnung musikalisch begleiten, und natürlich sind die beiden Künstler anwesend,“ ergänzt Judith Funke.

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Die beiden israelischen Künstler gehören „der zweiten Generation“ an, sie sind Kinder von Holocaust-Überlebenden aus Polen. „Die Vergangenheit unserer Familien hat uns geprägt, gleichzeitig leben wir in den besonderen Lebensumständen in Israel mit wiederholten Kriegen und ständiger Bedrohung. Places, Orte sind Bezugspunkte im Leben und erlangen durch Verlust und Traumata Bedeutung,“ so erklärt Varda Meidar sinngemäß den mehrdeutigen Titel der Ausstellung Makom, im Hebräischen ein Begriff mit irdischer als auch theologischer Bedeutung. Die Auseinandersetzung mit ihren biografischen Wurzeln, immer auch im Kontext aktueller Ereignisse, findet Ausdruck in den Werken des Malers Yossi Regev und den plastischen Arbeiten der Bildhauerin Varda Meidar.

In leuchtenden Farben porträtiert Regev, 1952 in Jaffa geboren, seine Umgebung. Seine preferierten Motive sind die Orte, an denen sich Menschen begegnen, Märkte, Flohmärkte, Plätze. Straßenszenen, multikulturelles Miteinander, soziale Gegensätze, Natur versus Bauboom, alte Bausubstanz und moderne Infrastruktur – der Maler nimmt die Eindrücke seines Heimatortes Ness Ziona sensibel auf, macht fotografische Schnappschüsse und arbeitet seine Motive im Atelier in lockerem malerischen Duktus aus. „Meine Werke entstehen heute aus der „Betrachterposition“ auf Menschen in alltäglichen Situationen“, erläutert Regev seine künstlerische Entwicklung vom Grafikdesigner und ehedem akribischen Zeichner mit tiefsinniger Thematik zum farbintensiven Maler.

Varda Meidar, geboren in Tel Aviv, studierte zunächst Pharmazie und absolvierte erst 2009 bis 2014 ein künstlerisches Studium. Sie arbeitet vorrangig mit Ton, liebt aber auch einfache unkonventionelle Materialien. Sehr überzeugend das Arrangement aus verschiedenen Taschen, Beuteln, Behältnissen, die als Attribute des Reisens, vielleicht auch der Flucht, des Wanderns zwischen den Kontinenten, zwischen verschiedenen Orten, aufgefasst werden können. Die Künstlerin gibt mit den fragilen keramischen Formen gleichzeitig Hinweise auf die Verletzlichkeit im Mitführen von Erinnerungen, vielleicht auch den Widerspruch von Heimat, Rast und Aufbruch auf der Suche nach den eigenen Wurzeln.

Ihre künstlerischen Arbeiten leben von der biographischen Auseinandersetzung, wie auch die großformatige Installation „Boot“ ausdrucksstark zeigt. Das Boot aus alten Seilen, umwickelt mit Schafswolle, teils notdürftig geflickt, ist instabil, löchrig und hängt schräg in der Luft. Für Varda Meidar birgt das Objekt die Erinnerung an die Flucht ihrer Eltern über Zypern nach Israel. „Gleichzeitig ist es ein Symbol für die Schrecken von Migration, von Flucht ,die wir aktuell noch immer erleben,“ betont Varda Meidar eindringlich.

Das Publikum kann in der Ausstellung viel Persönliches der beiden Künstler entdecken, kann das Leben in Ness Ziona kennenlernen und gleichzeitig grundlegende Sichtweisen und Gefühlslagen erspüren, die unser Leben heute bestimmen - an vielen Orten.