Ausbildungsmarkt: Firmen bieten zu wenig Lehrstellen

Ausbildungsmarkt im Bergischen Land : Firmen bieten zu wenige Lehrstellen

Bei Halbzeit des Ausbildungsstellenjahres 2018/2019 suchen noch über 500 Jugendliche einen Ausbildungsplatz.

Die Klingenstadt bleibt das Sorgenkind im Bergischen Land in Sachen Ausbildung. Daran hat sich auch bei Halbzeit des Ausbildungsstellenjahres 2018/19, das am 1. Oktober vergangenen Jahres begann, nichts geändert. Der Chef der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal, Martin Klebe, sieht einen Grund für die schlechte Lage in Solingen gegenüber Remscheid und Wuppertal vor allem in der Arbeitsplatzdichte.

Denn die Relation zwischen der erwerbsfähigen Bevölkerung im Alter von 15 bis 65 Jahren (103.006) und Arbeitsplätzen vor Ort (53.213) ist in Solingen mit 51,66 Prozent denkbar schlecht. Remscheid kommt dagegen auf einen Wert von 63,87 Prozent. Auf 70.797 erwerbsfähige Menschen kommen hier 45.223 Arbeitsplätze. „Remscheid ist eine Industriestadt und hat in den vergangenen Jahren sehr von der weltwirtschaftlichen Entwicklung profitiert“, erklärt Martin Klebe. Je höher die Zahl der Beschäftgungsverhältnisse am Arbeitsort ist, desto besser ist die Voraussetzung für eine hohe Zahl örtlicher dualer Ausbildungsplätze.

Daran hapert es in Solingen, wie Klebe am Mittwoch zusammen mit dem Leiter des Jobcenters, Mike Häusgen, Carmen Bartl-Zorn, Leiterin Aus- und Weiterbildung bei der Bergischen IHK, und Sascha Bomann (Kreishandwerkerschaft Solingen-Wuppertal) erläuterte. Denn die Unternehmen in der Klingenstadt haben seit Beginn des laufenden Ausbildungsstellenjahres zwar mit 585 Lehrstellen ein um knapp fünf Prozent höheres Angebot präsentiert, doch auf der anderen Seite gab es 917 Bewerberinnen und Bewerber (minus sechs Prozent). Aktuell sind noch 371 Ausbildungsstellen unbesetzt, gleichzeitig haben 522 junge Leute keinen Ausbildungsplatz. „Wir appellieren deshalb an die Unternehmen, mehr Lehrstellen zur Verfügung zu stellen“, sagen Bartl-Zorn, Häusgen, Klebe und Bomann.

Martin Klebe, Carmen Bartl-Zorn, Sascha Bomann und Mike Häusgen (v.l.) arbeiten in Sachen Ausbildung zusammen. Foto: Uwe Vetter

Remscheid hatte gleich zu Beginn des Ausbildungsstellenjahres weitaus bessere Voraussetzungen: 640 Plätzen (plus 15,3 Prozent) standen 639 Bewerbern gegenüber. 394 Stellen sind noch nicht besetzt, 345 Bewerber sind unversorgt.

Die Solinger Jugendlichen müssen angesichts der Zahlen flexibel sein und versuchen, in Nachbarstädten Unterschlupf zu finden. Die Bereitschaft dazu ist hoch. „Über 40 Prozent der Solinger Auszubildenden haben außerhalb eine Ausbildungsstelle“, sagt Carmen Bartl-Zorn. Dass viele junge Solinger im Alter zwischen 18 und 25 Jahren wegmüssen, findet Jobcenter-Leiter Mike Häusgen mit Blick auch in die Zukunft schlecht. Doch an dem Grundsatzproblem, dass es zu wenig Ausbildungsplätze gibt, „wird sich kurzfristig nichts ändern“, ergänzt Martin Klebe.

Allein im Handwerk sind momentan über 200 Lehrstellen in Solingen und Wuppertal unbesetzt. „Für viele Angebote gibt es nicht einmal keine Bewerbungen“, bedauert Sascha Bomann. Von daher sieht er wie Klebe, Bartl-Zorn und Häusgen noch „ein hartes Stück Arbeit“ vor sich, damit die angebotenen Ausbildungsplätze auch im Handwerk besetzt werden können.