Solingen: Aus für den Hedderich-Pavillon

Solingen : Aus für den Hedderich-Pavillon

Der denkmalgeschützte Hedderich-Pavillon an der Kölner Straße steht dem neuen Einkaufszentrum nicht mehr im Weg. Er darf jetzt abgerissen und muss nicht mehr an anderer Stelle der Stadt aufgebaut werden.

Aufatmen bei der Stadt: Der unter Denkmalschutz stehende Hedderich-Pavillon an der Kölner Straße darf abgerissen und muss nicht an anderer Stelle im Stadtgebiet wieder aufgebaut werden — so wie es 2008 der damalige Minister Oliver Wittke entschieden hatte. Das für den Denkmalschutz in NRW zuständige Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr erteilt der Stadt Solingen nun die "denkmalrechtliche Abbrucherlaubnis" für den Hedderich-Pavillon.

Einzige Auflage: Vor dem Abbruch muss eine Dokumentation des Baudenkmals "Blumen- und Porzellanpavillon" erstellt werden. "Wer das macht und wann dies geschehen soll, das steht zurzeit noch nicht fest", erklärt die städtische Pressesprecherin Sabine Rische auf Anfrage unserer Zeitung.

Einen schriftlichen Bescheid aus Düsseldorf hat die Stadt Solingen gleichwohl noch nicht in Händen, obwohl die entsprechende Verfügung des NRW-Ministers als obersten Denkmalschützer bereits vergangenen Mittwoch auf den Dienstweg (über die Bezirksregierung) gebracht wurde. Vor Eingang des schriftlichen Bescheids aus Düsseldorf wurde gestern aber telefonisch mitgeteilt, dass das Ministerium dem Abbruchantrag der Stadt Solingen aus dem Jahr 2010 entspricht.

Stadtdirektor ist zufrieden

Vor Jahresfrist hatte sich die Stadt gegen den Erlass von 2008 gewandt, wonach sie den Pavillon abbauen und an anderer Stelle "formidentisch" wieder aufbauen sollte. Stadtdirektor Hartmut Hoferichter zeigte sich nun sehr zufrieden darüber, dass sich das Ministerium in seiner jetzigen Entscheidung den Erkenntnissen eines Stahlbau-Gutachters anschließt, wonach auch bei einem sorgfältigen Abbau zu wenige Originalteile des Pavillons übrigbleiben würden.

Im Ergebnis würde nach der geschätzt 350 000 Euro teuren Versetzung kein "Wiederaufbau" des Denkmals entstehen, sondern nur eine "Kopie des Originals". Dies sei jedoch aus denkmalpflegerischer Sicht nicht zu vertreten, urteilt das Ministerium in seinem Schreiben. "Sehr schade und bedauerlich" findet dagegen Dr. Beate Battenfeld vom Bergischen Geschichtsverein, Abteilung Solingen, die Entscheidung des Ministers. "Wir hatten aber von Anfang an gesagt, dass der Hedderich-Pavillon nur am jetzigen Standort erhalten bleiben soll. Ein vergleichbares Baudenkmal haben wir sonst nicht in der Stadt", so Battenfeld.

Letzter Mieter im Hedderich-Pavillon war der Künstler Sascha Reichert. Sechs Jahre war er in dem denkmalgeschützten Gebäude, bevor er im August 2009 ausziehen musste und der Stadt die Schlüssel übergab. "Das ist ein wirklich trauriger Tag", sagte Reichert damals. "Das Schlimme ist, den Hedderich-Pavillon will keiner und schon gar nicht für viel Geld erhalten", erklärte Reichert gestern und ergänzt: "Der Pavillon ist etwas Besonderes." Er würde den Pavillon nehmen, wenn er ihn geschenkt bekäme.

Weg für Center ist nun frei

Doch daran ist jetzt nicht mehr zu denken. Vielmehr ist jetzt der Weg für die Investoren MAB und Sonae Sierra frei, die aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts stammende Glas- und Stahlkonstruktion abreißen zu lassen. Der Platz, an dem der Pavillon steht, wird für das neue Einkaufszentrum benötigt. "Wir freuen uns sehr, dass hier für Solingen eine pragmatische Lösung gefunden worden ist und die Ungewissheit über die Zukunft des Pavillons vorbei ist", sagt Thomas Binder von Sonae Sierra zur Abbrucherlaubnis.

(RP/rl)