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Solingen: Aus echt.scharf wurde echt.nass

Solingen : Aus echt.scharf wurde echt.nass

Zwei Tage lang wurde tatsächlich eine Sommerparty gefeiert, bis die Feier am Sonntag im Regen versank. Jan Höttges vom Initiativkreis sorgt sich um die Attraktivität der Innenstadt: "Wir brauchen den Hofgarten oder was anderes."

Aus "Echt.scharf.Solingen" wurde am Sonntag "Echt.nass.Solingen". Strömender Regen hat den Veranstalter, den Initiativkreis Solingen, am Sonntagnachmittag dazu veranlasst, die Sommerparty vorzeitig zu beenden (wir berichteten). Doch trotzdem klingt Vereinschef Jan Höttges bei der Nachlese erstaunlich fröhlich: "Wir haben an zwei Tagen ein tolles Fest erlebt." Vor allem am Samstagabend hätten viele Gäste das Gefühl gehabt, Solingen liege in viel südlicheren Gefilden.

Dabei gibt es aber auch bei ihm noch jede Menge Fragezeichen: Bleibt der Initiativkreis auf den rund 8000 Euro für die abgesagten Konzerte sitzen? Kommt unter dem Strich Plus-Minus-Null raus? 2009 wurde bereits ein Defizit gemacht (2000 Euro). Derzeit sieht die Rechnung so aus, dass die Party 50 000 Euro kostete und von dieser Summe 8000 noch nicht gedeckt sind. "Außerdem müssen wir uns noch um anderes kümmern, als Partys zu organisieren", kündigt Höttges eine Initiative für den schwächelnden Einzelhandelsstandort Wald an.

Kommende Woche will der Initiativkreis entscheiden, ob es mit der Sommerparty weiter geht. Für Jan Höttges steht das eigentlich außer Frage, brauche doch eine Stadt wie Solingen neben den vielen kleinen Stadtteilfesten ein paar Großveranstaltungen wie Sommerparty oder den Dürpel. "Wir sollten alles dransetzen, dass es eine fünfte Auflage gibt. Allerdings kann es sein, dass wir schauen müssen, was verzichtbar ist."

Aus dem Verkauf der Unterstützungsbuttons kamen rund 3500 Euro rein. Und wer will, kann weiter spenden. Bei der Endabrechnung für die Sommerparty 2010 wird einiges davon abhängen, ob man einen Teil der Kosten — vor allem für die Band von Wolf Codera — von der Versicherung erstattet bekommt. Für 2011 wünscht sich Höttges eine frühere finanzielle Planungssicherheit: "Dann können wir bekanntere Bands zu besseren Konditionen engagieren."

Dabei ist er von dem musikalischen Angebot der Sommerparty 2010 überzeugt. Nicht überzeugend findet er das Engagement einiger Filialisten: "Die profitieren davon, dass die Stadt voll ist, machen aber selbst keinen Handschlag." Von seiner Kritik nimmt er nur Saturn, Kaufhof und C&A aus.

"Der Obi am Kreisverkehr hat an diesem verkaufsoffenen Sonntag Großkampftag", ärgert es ihn, dass sich Kosten und Nutzen nicht gerecht verteilen. Zudem wünscht er sich, dass "wir 2011 die Bühne vor einer Baustelle aufbauen. Wir brauchen den Hofgarten." Es müsse schleunigst eine Entscheidung geben, nicht nur für den Bau, sondern vor allem auch dann, wenn das Einkaufszentrum nicht komme. "Momentan nimmt doch wegen der unklaren Situation niemand Geld in die Hand und investiert." Und so macht er einen weiter schleichenden Verfall der Innenstadt aus: "Der Geschäftsmix hier ist doch leider noch mal schlechter geworden."

(RP)