Aufstand der Oberärzte am Klinikum Solingen

Klinikum : Ärzte kritisieren fristlose Kündigungen

Mehr als 30 Oberärzte des Städtischen Klinikums haben an die Geschäftsleitung geschrieben. Sie sind verunsichert.

In der medizinischen Spitze des Städtischen Klinikums rumort es: Mehr als 30 Oberärzte haben einen gemeinsamen Brief an die Geschäftsführung geschrieben. Darin kritisieren sie die fristlosen Kündigungen zweier „oberärztlicher Kollegen“ der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie: Gemeint sind Dr. Guido Opitz und sein Vorgänger Prof. Dr. Martin Kruschewski.

In dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, heißt es: „Dr. Opitz hat über viele Jahre große Verdienste durch seinen Einsatz für seine Abteilung erworben.“ Man habe ihn währendessen als „fachlich sehr fähigen Kollegen kennengelernt, der immer sehr fokussiert auf das Wohlergehen seiner Patienten war“. Es erstaune die Oberärzte, „dass innerhalb weniger Monate in der Abteilung schon zwei oberärztliche Mediziner das Städtische Klinikum verlassen mussten, „die uns seit langem als kompetente Kollegen bekannt sind“. Im Umgang mit den fristlosen Kündigungen vermissen die Unterzeichner einen guten Umgangsstil. „Hier hätten wir eine angemessene Fehler- und Informationskultur erwartet.“ Weiter heißt es: Keinesfalls dürfe der Eindruck entstehen, dass gezielt nach Fehlern von Mitarbeitern gesucht werde, „um sie willkürlich zu entfernen.“

Als Guido Opitz Anfang 2017 die kommissarische Leitung seiner Abteilung vom damals ebenfalls fristlos gekündigten Chefarzt Prof. Dr. Martin Kruschewski übernommen hatte, wurde Opitz noch hoch gelobt: Mit seiner Bereitschaft, die Aufgabe vorübergehend zu leisten, sei „sowohl die Kontinuität der Patientinnen- und Patientenversorgung als auch die Sicherstellung der abteilungsspezifischen Abläufe und Prozesse für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik in uneingeschränktem Umfang gegeben“, teilte damals die Klinikleitung mit.

„Die Verfasser des Briefes wurden von mir zu einem vertrauensfördernden Gespräch eingeladen.“

Prof. Dr. Thomas Standl Medizinischer Geschäftsführer

Der medizinische Geschäftsführer Prof. Dr. Thomas Standl bestätigte gestern die Kündigung und erklärte auf Nachfrage: „Zu den Gründen werden wir auch aus Schutz für die Person von Herrn Dr. Opitz keine Informationen geben.“ Die Entlassung sei der Klinikleitung „nicht leicht gefallen.“ Ihm sei bewusst, so Standl, „dass ein mit dem Betroffenen vereinbartes Stillschweigen zwangsläufig zu Interpretationsspielräumen in der Mitarbeiterschaft führt“. Doch gehörten diese vertraulichen Informationen nicht in die öffentliche Diskussion.

Die Verfasser des Beschwerdebriefes seien „zu einem vertrauensfördernden Gespräch eingeladen“ worden. Standl wirbt: „Die Oberärztinnen und Oberärzte des Städtischen Klinikums leisten einen überdurchschnittlichen und loyalen Einsatz für unser Unternehmen. Ich bin mir deshalb sicher, dass wir auch in Zukunft im Sinne unseres Klinikums weiter vertrauensvoll zusammenarbeiten werden.“

Dem Betriebsrat des Klinikums sei der Brief bekannt, erklärt dessen stellvertretender Vorsitzender Ali Dogan. Allerdings wolle man dazu keine Stellungnahme abgeben.

Das Klinikum kommt personell nicht zur Ruhe: Erst kürzlich wurde bekannt, dass Geschäftsführerin Barbara Matthies das Klinikum verlässt. Sie hatte von einer „konfliktreichen Arbeit“ gesprochen. Für sie kam im Mai Matthias Dargel von der Unternehmensberatung ZEB als Interimsgeschäftsführer. Weil das Klinikum Verluste schreibt, wird eine Zusammenarbeit mit dem Klinikum Leverkusen angestrebt. ZEB berät das Klinikum bei dieser Verbundlösung. “ Standpunkt

(Boll)
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