Solingen: Aufräumen nach dem Sturm

Solingen : Aufräumen nach dem Sturm

Erst bei Tageslicht zeigten sich gestern viele Schäden, die Orkan „Kyrill“ in Solingen hinterlassen hat. Dachdecker waren im Dauereinsatz, ebenso Taxifahrer. Einige Straßen blieben noch gesperrt.

Der Orkan hatte sich zwar gestern wieder gelegt, dennoch war damit nur für einen kleinen Teil der Rettungskräfte der Einsatz beendet. Um Straßen zu sichern und Sturmschäden zu beseitigen, waren Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Deutsches Rotes Kreuz und Malteser Hilfsdienst bis gestern Nachmittag mit etwa 350 Leuten in Solingen unterwegs. „Es werden immer mehr Schäden entdeckt“, erklärte Feuerwehrsprecher Michael Stachelhausen.

Von der evangelischen Stadtkirche am Fronhof war das Kirchenkreuz vom Dach gefallen. Zudem drohten in ganz Solingen weitere Bäume umzustürzen. Deshalb waren sowohl die Burger Landstraße als auch die Langhansstraße gesperrt, ebenso unter anderem die Krüdersheide, die Wiefeldicker Straße und die Talsperrenstraße. Höhrath war laut Feuerwehr fast komplett abgeschnitten.

Über 470 Mal musste die Feuerwehr durch den Sturm ausrücken, die Polizei 50 Mal. Drei Menschen wurden in Autos leicht verletzt. Darüber hinaus ließen sich einige Menschen im städtischen Klinikum ambulant behandeln, die sich bei Aufräumarbeiten verletzt hatten. Hilfskräfte kamen nach Auskunft der Wehrleute nicht zu Schaden. „Dabei waren manche Einsätze hart an der Grenze“, berichtet Stachelhausen.

Auf der Autobahn A 3 hätten die Wehrleute zum Beispiel in der Nacht einen umgestürzten Baum beseitigt. „Plötzlich hörten wir ein Knacken, und ein anderer Baum schlug 20 Meter neben uns auf den Boden.“ Weil der Sturm immer mehr Bäume aus der Erde riss, wurde die A 3 schließlich zeitweise ganz gesperrt.

Glimpflich ausgegangen ist es auch noch einmal für einen Taxifahrer. Auf der Germanenstraße hatte ihm ein Ast die Windschutzscheibe durchschlagen. „Der Fahrer erlitt einen Schock“, berichtete Dieter Fischer von der Taxi-Zentrale. „Dem dabei sitzenden Fahrgast ist jedoch nichts passiert.“ Prinzipiell stimmte der Orkan „Kyrill“ die Taxifahrer allerdings zufrieden.

„Wir hatten ein Geschäft, wie wir es sonst nur bei extremem Schneefall, zu Silvester und zu Weihnachten haben.“ Weil die Züge auch bis gestern Nachmittag noch nicht fuhren, brachten Taxifahrer Kunden nach Münster, Krefeld und in andere Städte. „Weil wir in Solingen fast keinen Wagen mehr haben, müssen die Leute bis zu 50 Minuten auf ein Taxi warten“, berichtete Fischer. Einige hätten Verständnis, andere – die dringend zum Arzt wollten – dagegen nicht.

Auch bei den Dachdeckern standen die Telefone nicht still. „Wir arbeiten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und auch das Wochenende durch“, versicherte Stefan Bruchhaus, Obermeister der Dachdecker-Innung. Allerdings würden erst solche Schäden repariert, wo Wasser drohe, ins Haus einzudringen. Denn teilweise klafften in Dächern große Lücken.

„In Merscheid ist zum Beispiel ein 120 Quadratmeter großes Flachdach weggeflogen“, berichtet Bruchhaus. „Die obere Etage ist nach dem vielen Regen in der Nacht nicht mehr bewohnbar.“ Die meisten Schäden machte der Obermeister in Merscheid und Ohligs aus. „Jeder Kunde wird aber bedient“, erklärte Bruchhaus. Genügend Dachziegel seien da.

(RP)