Aufderhöhe: Boomtown in Warteschleife

Mein Solingen : Aufderhöhe: Boomtown in Warteschleife

Aufderhöhe wächst: Über 15.000 Menschen leben in dem Stadtteil. Die Stadt versucht, mit Bildungsinvestitionen dem Trend der vergangenen Jahre zu entsprechen. Denn die Konkurrenz in der Nachbarschaft schläft nicht.

Den Anfang machte der Spar- und Bauverein (SBV). Im Jahr 1999 startete die größte Wohnungsbaugenossenschaft der Klingenstadt mit den Bauarbeiten für das neue Wohngebiet Börkhauser Feld. In der Folgezeit entstanden dutzende Häuser. Wobei die SBV-Siedlung bis zum heutigen Tag eine Art Initialzündung für die jüngste Geschichte des südwestlichsten Solinger Stadtteils geblieben ist.

Später folgten zwar noch weitere Bauvorhaben, zum Beispiel das benachbarte Wohngebiet Siebels in der Nähe der Löhdorfer Straße. Doch das Börkhauser Feld steht immer noch sinnbildlich für den Aufschwung, den Aufderhöhe seit der Jahrtausendwende genommen hat. Inzwischen leben weit mehr als 15.000 Menschen im Stadtteil. Vor allem Familien sind in den vergangenen Jahren zugezogen, so dass Aufderhöhe heute als jüngster Teil und als so etwas wie die Boomtown Solingens gilt.

Das wird einmal mehr am morgigen Samstag deutlich. Dann soll die neue Kita „Opderhüh“ an der Höhscheider Straße mit einem Fest eröffnet werden. Darüber hinaus ist eine weitere Kindertagesstätte für den Stadtteil im Bau. Was aber im Umkehrschluss keineswegs bedeutet, dass die Versorgungssituation dadurch für alle Zeit in trockenen Tüchern wäre. Denn nach allgemeiner Einschätzung wird Aufderhöhe, das verkehrstechnisch günstig nah zur Rheinschiene liegt, auch in Zukunft wachsen, so dass die Verantwortlichen im Solinger Rathaus bereits heute gezwungen sind, die Weichen für eine nachhaltige Entwicklung zu stellen.

Stichwort Schulen: Bei der Stadt ist man sich darüber einig, dass auf diesem Feld zusätzlicher Handlungsbedarf – gerade in Sachen Betreuung – besteht. „Wir befinden uns auf der Suche nach Lösungen“, sagt dementsprechend eine Rathaus-Sprecherin, um parallel auf bestehende finanzielle Restriktionen zu verweisen.

Ohne die Hilfe des Landes wird es bei der Bildungs-Infrastruktur nämlich nicht gehen. Schließlich sind die städtischen Kassen nach wie vor leer, was auf Dauer speziell in Aufderhöhe zu der fatalen Lage führen könnte, dass der Stadtteil sozusagen eine Boomtown in Warteschleife bleibt.

Immerhin liegen die haushaltstechnisch besser aufgestellten Nachbarstädte Langenfeld oder Monheim quasi vor der eigenen Haustür. Und auch wenn es sich so verhält, dass die Immobilienpreise dort noch deutlich über dem Aufderhöher Niveau liegen, könnte am Ende für junge Familien doch das bessere Bildungs-. und Betreuungsangebot den Ausschlag für eine Entscheidung geben, eben nicht nach Solingen zu ziehen.

Inwieweit die Stadt auf Landeshilfen bauen kann, steht indes nicht fest. Darum bemüht man sich auf Solinger Seite, die in der eigenen Macht stehenden Veränderungen zu forcieren. Etwa in Sachen Freizeitpark Aufderhöhe, für den noch dieses Jahr Baurecht geschaffen werden soll. Andere Probleme erscheinen hingegen hausgemacht. So ist die Verkehrssituation in Aufderhöhe schon seit vielen Jahren ein Thema, ohne dass ein Ausweg in Sicht wäre. Im Gegenteil: Ein neuer Autobahnanschluss liegt weiterhin in weiter Ferne.