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Solingen: Auf fünf Etagen ist viel Musik drin

Solingen : Auf fünf Etagen ist viel Musik drin

Am Wochenende feierte das AWO-Proberaumhaus "Monkeys" mit vielen Besuchern Einweihung. Dabei trafen unter anderem neue Mieter auf Nutzer aus früheren Tagen.

Hinter der Schaufensterscheibe des Ladenlokals tut sich für die Gäste eine ganz neue Welt auf: Im Foyer fällt der Blick zunächst auf die Theke mit stilvoll eingearbeiteter E-Gitarre und den aus zerbrochenem Porzellan gebauten Kronleuchter. Von der bunt bemalten Wand schräg gegenüber blicken der junge David Bowie, Bob Marley und Amy Winehouse auf die Besucher herab. Und ganz am Ende des langgezogenen Raumes weisen Schilder den weiteren Weg durch das Gebäude.

Und das ist auch gut so: Schließlich ist das Proberaumhaus der Arbeiterwohlfahrt (Awo) an der Konrad-Adenauer-Straße 98 ein eigenwilliges Geflecht von Gängen und Räumen auf fünf Ebenen. Wer sich zu einem Streifzug durch die unteren Geschosse aufmacht, kommt schließlich ebenerdig an der Korkenziehertrasse wieder raus.

"Alles, was nicht neu ist, haben wir damals gemacht", erinnert sich Besucherin Eleonora (28) mit Blick auf ein düsteres Vampir-Graffiti im Treppenhaus. Sie kenne viele Musiker, die einst hier probten - Jahre bevor die Bauaufsicht die Nutzung des maroden "Blauen Hauses" im Sommer 2012 untersagte. Zu diesem Zeitpunkt war das Gebäude bereits in den Fokus von Stadtentwicklung und Awo Aqua (Arbeit und Qualifizierung) zur Aufwertung der Jugendarbeit in der Nordstadt gerückt. Jetzt, nach Jahren der Planung und des gründlichen, vom Land geförderten Umbaus - hat das "Monkeys", wie das neue Proberaumhaus für die Zielgruppe der 14- bis 27-Jährigen heißt, seine Pforten geöffnet. Und es hat einiges zu bieten: Veranstaltungsflächen, ein Tonstudio, einen mit Instrumenten bestückten "Jam Session"-Raum zum Ausprobieren für Jedermann - und zwölf Proberäume. Fünf sind bereits fest vermietet, Anfragen gibt es schon weit mehr. Einen davon hat die Elektro-Rock-Gruppe "Matter of Time" bezogen. "Wir haben schon einige Umzüge hinter uns und konnten am letzten Ort die Miete nicht mehr stemmen", erzählt deren Schlagzeuger Marcel Jaspert (22), während er in den neuen, noch etwas kargen, vier Wänden der Band steht. Teile seines Equipments liegen auf einer Couch.

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Mit demselben Raum verbindet Mario Schweizer besondere Erinnerungen an frühere Tage: "Das war 1998 unser Proberaum", erzählt der heute 41-Jährige. "Ein paar Freunde und ich waren damals ziemlich oft hier, um Musik zu machen." Eine lustige Zeit sei das gewesen. Im Zuge des Umbaus hat Schweizer, der als Veranstaltungstechniker unter anderem Musicals betreute, seine Kenntnisse eingebracht. "Die anderen Räume auch mal zu sehen, die man damals gar nicht kannte, war interessant", verrät er.

Musik dringt zur Eröffnungsfeier durch das Treppenhaus. Viele Bands sind am Programm beteiligt, darunter auch "Matter of Time", die optimistisch in die Ära im Proberaumhaus gehen. Der Mietpreis pro Quadratmeter liege bei 5,33 Euro, berichtet Projektleiterin Lisa Radtke, die mit Netzwerkerin Lilian Muscutt den Betrieb im "Monkeys" am Laufen hält. Aber die Kosten sind für die Musiker nicht in Stein gemeißelt: Denn wer innerhalb des Hauses mithilft und kleine Arbeiten übernimmt, kann sogenannte "Credit Points" sammeln und darüber seine Miete senken.

(ied)