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Solingen: Auf dem Turm der Lutherkirche

Solingen : Auf dem Turm der Lutherkirche

Regelmäßig kann der Turm des imposanten Gotteshauses an der Kölner Straße unter sachkundiger Führung bestiegen werden. Von vier Stellen aus eröffnet sich der Blick über die Stadt aus einer Höhe von 40 Metern. Der Turm ist insgesamt 80 Meter hoch.

Hansjörg Schweikhardt weiß nicht, wie oft er die 124 Stufen in den Turm schon hinaufgestiegen ist, doch jedes Mal ist der Vorsitzende des Lutherkirchen-Bauvereins fasziniert von dem Innenleben des 111 Jahre alten Bauwerks. Um möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen, veranstaltet der Verein regelmäßige Turmführungen.

Zunächst geht es über steinerne Treppen ins Innenleben der Kirche, später sind die Stufen aus Holz, und ganz am Ende führt eine Leiter in den Turm, genau dorthin, wo die vier Glocken hängen, die Weihnachtsglocke, die Osterglocke, die Pfingstglocke und die Sterbeglocke. Geläutet wird heute automatisch, viermal pro Stunde. Bis der Besucher im Glockenturm angekommen ist, sieht er bereits viel vom Innenleben der Kirche. Zum Beispiel die Kuppel, über die die Glocken in den Turm gelangt sind. Zweimal war das schon der Fall. 1943 kamen Bronzeglocken, die im Krieg wieder entfernt und eingeschmolzen wurden. "Sie landeten auf dem Hamburger Glockenfriedhof", erzählt Hansjörg Schweikhardt. 1950 erhielt die Lutherkirche ihre jetzigen Stahlgussglocken zum ersten evangelischen Kirchentag. Bis heute versehen sie störungsfrei ihren Dienst.

Turm bewegt sich nicht

Auf die Besucher üben sie eine besondere Faszination aus, wenn sie während des Aufstiegs in den Turm zu läuten beginnen. Einmal hat Hansjörg Schweikhardt einen Besucher auf dem Boden unter den Glocken liegen sehen, der den Moment, in dem sich das schwere Pendel der Glocke in Bewegung setzt, auf einem Foto festhalten wollte. Unspektakulärer, aber ebenso interessant ist eine Gipsmarke, hoch oben im Turm. "Damit können wir feststellen, dass sich der Turm seit Jahren keinen Millimeter bewegt hat", erklärt Hansjörg Schweikhardt den weißen Punkt im alten Gemäuer. Würde sich der Turm bewegen, zum Beispiel bei einem schweren Sturm, gäbe es Risse in der Gipsmarke.

Der Aufstieg bis zum Glockenturm führt über eine enge Stiege, Handläufe an beiden Seiten sorgen für Sicherheit, ein Absturz in den schmalen Schacht der engen Wendeltreppe wird durch ein durchgehendes Eisengestänge verhindert. Auch wer an einem der vier Aussichtspunkte nach draußen tritt, ist durch ein Geländer geschützt.

Blick bis ins Kohlerevier

Am ersten Turmausstieg eröffnet sich dem Besucher der Blick bis nach Remscheid. An einem anderen Ausstieg kam man bei klarem Himmel bis in die Braunkohlenreviere sehen. "Das ist vor allem bei unseren Nachtführungen sehr eindrucksvoll", sagt der Vorsitzende des Lutherkirchen-Bauvereins, die Beleuchtung der Abraumbagger habe beinahe etwas Unwirkliches. Auch andere Kirchen werden beim Blick aus 40 Metern Höhe sichtbar, die Dorper Kirche oder St. Joseph in Ohligs. Nur den Kölner Dom, so Schweikhardt, könne man von hier oben leider nicht sehen. Dafür aber das Zwillingswerk, den alten Bahnhof Mitte, den Haltepunkt Grünewald oder das Polizeigebäude. Oder die sicher an die 200 Jahre alte, sehr seltene Farnbuche, die schon länger an ihrem Platz vor dem Gotteshaus steht, als die Kirche selbst.

Nächste Gelegenheit zur Turmbesteigung ist am 27. und 28. Oktober.

(RP/ac)