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Matthias Marsch: Auf dem Motorrad fährt die Gefahr mit

Matthias Marsch : Auf dem Motorrad fährt die Gefahr mit

Der Motorrad-Sicherheitstrainer Matthias Marsch spricht im Interview über Unfallursachen, Gefahrenstellen im Bergischen und häufig begangene Fehler.

Herr Marsch, immer wieder kommt es insbesondere im Frühjahr zu schweren Motorradunfällen. Woran liegt das?

Marsch Dafür gibt es mehrere Ursachen. Generell muss man zunächst einmal unterscheiden. Zum einen passieren Unfälle, die Motorradfahrer ganz allein verursachen. Zum anderen solche, in die Begegnungsverkehr verwickelt ist, in der Regel Pkw. Nicht selten werden Motorradfahrer von Autofahren übersehen oder Autofahrer unterschätzen die Geschwindigkeit von Motorrädern. In zwei Dritteln der Fälle, in denen es zu einem Unfall mit einem Pkw kommt, kann der Motorradfahrer nichts dafür.

Und welche Fehler begehen Motorradfahrer am häufigsten?

Marsch Die häufigsten Fehler sind überhöhte Geschwindigkeit, Fehler beim Überholen und eine falsche Blickführung. Insbesondere die Blickführung ist elementar.

Für Laien besteht hier Klärungsbedarf: Was bedeutet Blickführung?

Marsch Der Fahrer muss, wenn er eine Kurve anfährt, mit seinem Blick den richtigen Punkt fixieren. Blickt er beim Anfahren auf den falschen Punkt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er die Kurve verfehlt.

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Sollte man nicht erwarten, dass Führerscheininhaber die Grundlagen des Fahrens beherrschen?

Marsch Im Grunde ja, aber die Realität sieht anders aus. Das liegt daran, dass die Führerscheinprüfung und auch die theoretischen Grundlagen bei vielen Fahrern weit zurückliegen. Damit fehlt es oft an der Theorie. Auch durch fehlende Praxis können Fehler passieren.

Gehen die Leute leichtfertig mit ihrem Leben um?

Marsch Nein, viele sind sich der Risiken einfach nicht bewusst. Die Meisten denken, sie beherrschen ihr Motorrad, aber ich erkenne immer wieder, dass das nicht stimmt. Diese falsche Selbsteinschätzung ist enorm gefährlich, denn schon kleine Fehler können darüber entscheiden, ob der Fahrer eine Kurve bekommt oder verunglückt. Das Motorrad verzeiht keine Fehler. Das hört sich an wie eine leere Phrase, es ist aber die Wahrheit.

Haben Sie selbst schon schwere Unfälle miterlebt?

Marsch Ja. Der schwerste Unfall, den ich bislang erlebt habe, liegt aber schon etwas zurück. Auf der L 74 zwischen Wuppertal und Solingen kam dabei ein Mann ums Leben und seine Frau kam mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus. Eigentlich war es ein schöner und sonniger Tag, den ich aber nie vergessen werde.

Die von ihnen angesprochene Strecke gilt als eine Art Unfallschwerpunkt. Müssen sich die Fahrer dort besonders in Acht nehmen?

Marsch Wirkliche Unfallschwerpunkte gibt es im Bergischen Städtedreieck nicht. Unfälle passieren überall, das zeigt, dass prinzipiell jede Stelle gefährlich ist. Im Bergischen Land haben wir viele tolle Kurven, das sind für Zweiradfahrer leider oft die gefährlichsten Stellen.

Besonders, wenn es geregnet hat. Und Niederschlag gibt es im Bergischen ja bekanntlich oft.

Marsch Wenn Regen auf die Straße trifft, vermischt er sich mit dem darauf liegenden Staub. Die Straßen sind dann extrem rutschig.

Würde es in ihren Augen Sinn machen, Sicherheitstrainings verpflichtend einzuführen?

Marsch Ja, diese Überlegung hat es sogar schon gegeben, aber sie wurde letztlich wieder verworfen. Als Vergleich möchte ich einen Erste-Hilfe-Kurs heranziehen, den muss man als Führerscheininhaber ja auch immer wieder auffrischen.

SEBASTIAN FUHRMANN FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)