Solingen: "Auch an die Armen denken"

Solingen: "Auch an die Armen denken"

Kanzelabkündigung von Superintendentin Dr. Ilka Werner zum 15. April.

In der aktuellen Diskussion um Armut und Reichtum in Deutschland würdigt die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Solingen, Dr. Ilka Werner, die Arbeit der Solinger Tafel. "Die Tafeln helfen mit, dass Menschen satt werden und bekommen, was sie brauchen", schreibt Werner in einer Kanzelabkündigung, die am morgigen Sonntag in den Gottesdiensten des Evangelischen Kirchenkreises verlesen werden soll. Außerdem würde das, was die Tafeln von den Supermärkten und Bäckereien abholten, um es an ihre Kunden weiterzugeben, andernfalls vernichtet.

Damit würde ein alter biblischer Gedanke aufgegriffen, betont die Theologin und erinnert an eine einschlägige Weisung aus dem 3. Buch Mose: "Wenn du dein Land aberntest, sollst du nicht Nachlese halten, sondern dem Armen und Fremdling sollst du es lassen" (aus 3. Buch Mose 19,9 und 19,10). Schon in der Bibel gehe es darum, nicht das Letzte aus seinen Geschäften herauszupressen, sondern auch etwas übrigzulassen für die, die es zum Leben brauchen.

Ilka Werner hatte sich nach der bundesweiten Diskussion um eine Entscheidung der Essener Tafel selbst einen Eindruck von der Situation in Solingen machen wollen und nach einem Gespräch mit der Solinger Tafelvorsitzenden Brigitte Funk dann an einem Nachmittag vor Ostern die Ehrenamtlichen bei der Verteilung von Lebensmitteln unterstützt. Schwierigkeiten wie die zum Jahresbeginn aus Essen vermeldeten, konnte sie dabei nicht feststellen: "Das Solinger System funktioniert gut", stellte die Theologin fest: Das Tafelteam agiere freundlich, aber bestimmt. Kundinnen und Kunden verhielten sich ähnlich wie in jedem anderen Laden.

Auch vor der gelegentlich geäußerten Kritik, dass Tafeln nur die Symptome einer ungerechten Gesellschaft linderten, nahm die Superintendentin die Hilfsinitiative in Schutz. Zwar stimme es, dass Tafeln nicht die Verhältnisse änderten, aber die Arbeit für mehr Gerechtigkeit müsse an anderer Stelle erfolgen. Dafür, so Werner, erinnerten die Tafeln daran, dass es nötig sei, nicht ausschließlich an den eigenen Gewinn, sondern auch an Barmherzigkeit gegenüber anderen zu denken. Werner: "Weil wir alle für unsere ganze Gesellschaft mitverantwortlich sind".

(red)