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Solingen: Armut unter Patienten wächst

Solingen : Armut unter Patienten wächst

Das Medimobil fährt wöchentlich durch Solingen, um von Armut Betroffene auf der Straße medizinisch zu versorgen. Der Internist Dr. Christoph Zenses koordiniert dieses und andere soziale Projekte des Solinger Ärztenetzes Solimed.

Was leistet das Medimobil?

Zenses Das Medimobil in Zusammenarbeit zwischen Solimed und der Wuppertaler Tafel ist eines von mehreren Angeboten niedrig-schwelliger medizinischer Versorgung, die wir Hilfebedürftigen außerhalb der Praxen und unabhängig von der Finanzierungsnotwendigkeit zukommen lassen. Für manche Leute können wir die akut notwendigen Medikamente komplett übernehmen oder Rezepte für chronisch erforderliche Medikamente ausstellen.

Wie sieht die übliche Route des Mobils aus?

Zenses Wir steuern mit dem Wagen regelmäßig die Solinger Tafel, die Notschlafstelle, die FAXE (Kontaktladen der Jugend- und Drogenberatung in Ohligs, die Red.) sowie die Orte, an denen sich viele Obdachlose aufhalten, wie den Bremsheyplatz oder den Mühlenplatz, an.

Ist die Anzahl der Bedürftigen in den letzten Jahren größer geworden?

Zenses Natürlich erlebe ich durch die Zusammenarbeit mit der Tafel auch, dass die Armutsproblematik wächst. Bei den Gästen der Tafel gibt es zweistellige Steigerungsraten. Im Projekt niedrig-schwellige Versorgung mit den Wohlfahrtsverbänden sind vermehrt Alleinerziehende mit vielen Kindern zu Hause ohne adäquate Versorgung. Unter den Besuchern des Medimobils gehören zum Beispiel vermehrt Menschen, die plötzlich arbeitslos geworden sind, wie auch Selbstständige, die nicht mehr versichert sind, zu den Hilfesuchenden.

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Sie werden künftig ein neues Fahrzeug in Betrieb nehmen. Welche Veränderungen sind damit verbunden?

Zenses Wir wollen unser Spektrum erweitern, und zum Beispiel eine Verbandssprechstunde mit Krankenschwestern für Patienten durchführen, die etwa wegen Entzündugen einen Verband oder Verbandswechsel brauchen. Auch die Zuverlässigkeit ist uns wichtig: Früher kam unser Wagen ja immer aus Wuppertal. Wenn wir aber Schnee und Eis hatten, konnte das Medimobil manchmal nicht kommen. Jetzt fahren wir mit einem eigenen Fahrzeug der Solinger Tafel los und sind damit auch flexibler. Die Fahrer werden vom Deutschen Roten Kreuz sein.

Als häufiges Problem vieler Medimobil-Patienten gilt die Scham vor dem Arztbesuch. Gelingt es Ihnen, durch die mobile Betreuung, Menschen in die Arztpraxen zu bringen?

Zenses Das kommt natürlich vor. Manchmal kommt jemand mit einem Problem, und wir sagen dann, ich kenne da einen Kollegen, der das behandeln kann. So kann der Besuch beim Medimobil eine Eintrittspforte in die reguläre Praxis sein. Wir haben aber auch eine Dauerklientel, die nicht zum Arzt gehen wird. Die Leute wissen aber, dass das Medimobil zuverlässig kommt.

Alexander Riedel führte das Gespräch.

(RP/jco)