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Solingen: Arbeitsmarkt schwächt sich ab

Solingen : Arbeitsmarkt schwächt sich ab

In Solingen gibt es 426 Arbeitslose mehr als vor einem Jahr. Außerdem verzeichnet die Arbeitsagentur einen saisonalen Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit. Anzeichen einer Krise gibt es jedoch nicht. Weiterhin gefragt bleiben etwa Köche, Verkäufer und Bürokaufleute.

Viele Jugendliche machen ähnliche Erfahrungen wie Sarah Bodmann: 30 Bewerbungen hat die gelernte Altenpflegehelferin in den letzten Wochen geschrieben. Eine Zusage blieb jedoch bislang aus. Viele Einrichtungen suchen hauptsächlich nach examinierten Pflegern. "Ich habe zeitweise bei der Awo in Langenfeld als Krankheitsvertretung gearbeitet", berichtet die 23-Jährige. Seit Juni ist Sarah Bodmann wieder auf Jobsuche.

 Nach wie vor haben Jugendliche gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz, wenn sie die richtige Branche wählen: Junge Köche und zahnmedizinische Fachangestellte sind weiterhin gefragt.
Nach wie vor haben Jugendliche gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz, wenn sie die richtige Branche wählen: Junge Köche und zahnmedizinische Fachangestellte sind weiterhin gefragt. Foto: dpA (Archiv)

Die Arbeitslosenquote ist von 8,2 Prozent im Vormonat auf 8,5 Prozent im Juli gestiegen. Vor allem bei den unter 25-Jährigen macht sich diese Entwicklung bemerkbar. Das sei jedoch kein Grund zur Beunruhigung, erklärt Martin Klebe, Chef der Agentur für Arbeit in Solingen. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit sei durchaus typisch für den Ferienmonat. Klebe: "Nach beendeten Ausbildungsverhältnissen wurden einige junge Fachkräfte nicht übernommen und fließen daher in die Statistik ein." Auch im Vergleich zum Vorjahr ist die Arbeitslosenquote gestiegen. Im Juli 2011 lag sie bei 8,1 Prozent. Die schwächere Konjunktur und die Verunsicherung über die Euro-Krise hätten insgesamt die Auftragslage und somit auch die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt abgeschwächt, sagt Klebe.

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Von einer Krise könne man dabei aber nicht sprechen – zumal weiterhin in vielen Branchen Fachkräfte gesucht würden: Zahlreiche unbesetzte Stellen gibt es in der Metallverarbeitung, in der Systemgastronomie oder in der Bauelektrik. Gute Chancen auf einen Arbeitsplatz haben auch Bürofachkräfte, Verkäufer und Sanitärfachleute. Insgesamt aber meldeten die Arbeitgeber dem Service der Arbeitsagentur rund 70 Stellen, also 19,3 Prozent weniger als im vergangenen Jahr.

Zu den Leidtragenden gehört auch die Floristin Aysin Girgin (21), die seit Januar eine Vollzeitstelle sucht. Sie wandte sich dabei rasch an die Agentur für Arbeit, sucht parallel dazu aber weiter im Internet. "In diesem Bereich werden leider sehr viele Beschäftigungsverhältnisse auf 400 Euro-Basis angeboten", sagt Theresa Löchle, Leiterin der Arbeitsvermittlung.

Im Praktikum "einiges gelernt"

Bevor sie tatsächlich in Lohn und Brot stehen, absolvieren viele Jugendliche unbezahlte Praktika. Wie Stephanie Aschenberg (24), die nach ihrem Studium im Fach Medienmanagement bei einer Werbefirma untergekommen ist. Anders als viele Altersgenossen, für die derartige Arbeitsverhältnisse Anlass zur Frustration bieten, beurteilt Aschenberg ihr Praktikum positiv. "Dort habe ich schon einiges gelernt", sagt sie. In den nächsten Monaten will sie eine "richtige" Arbeitsstelle ergattern.

Trotz erfolgreicher Vermittlungen über die Agentur räumt selbst deren Chef Martin Klebe ein: "Die meisten Stellen werden über persönliche Netzwerke besetzt."

(RP)