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Arbeitslosigkeit in Solingen und Remscheid steigt coronabedingt

Arbeitsmarkt in Solingen und Remscheid : „Kurzarbeit von historischem Ausmaß“

Die Corona-Pandemie beherrscht den Arbeitsmarkt in Solingen und Remscheid. Die Zahl der Kurzarbeiter liegt auf Rekordniveau, Arbeitslosigkeit ist gestiegen. Es gibt aber auch positive Signale.

Schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie hatte sich der Beschäftigungsboom der vergangenen zehn Jahre seit der Finanzkrise 2008/2009 deutlich abgeschwächt. Doch was sich zum Jahresende 2019 eher noch als zartes Pflänzchen eines möglichen Abschwungs darstellte, sollte erst im Verlauf der nächsten Monate so richtig Fahrt aufnehmen: Anstieg der Arbeitslosigkeit, weniger Stellen und weniger Maßnahmen-Angebote beherrschten den Arbeitsmarkt in Solingen und in Remscheid. „Zudem gibt es Kurzarbeit von historischem Ausmaß“, erklärte Martin Klebe. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der auch für Remscheid zuständigen Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal, und Kirsten Roth, Geschäftsführerin Operativ, präsentierten dazu im Arbeitsamtsgebäude an der Kamper Straße in Ohligs Zahlen für das erste Halbjahr.

Danach sank die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Solingen im vergangenen Jahr bereits um 501 auf 54.247. In Remscheid war ein Rückgang von 177 auf 46.516 zu beobachten. „Viele Unternehmen trennten sich zunächst von Zeitarbeitern. Das ist für uns ein Indiz, dass die Auftragslage vor allem in Industriebetrieben nicht mehr so glänzend wie in den Vorjahren war“, sagte Klebe mit Blick auf die letzten Monate des vergangenen Jahres.

Doch was dann ab März im neuen Jahr folgte, war auf dem bergischen Arbeitsmarkt ohne Beispiel: Arbeitslosigkeit und insbesondere die Kurzarbeit stiegen wegen der Corona-Pandemie in zuvor nie erreichte Höhen. Von Juni 2019 bis Juni 2020 wuchs die Zahl der Arbeitslosen, die von der Agentur betreut werden, um 1029 oder 53,5 Prozent auf 2953 an. Insgesamt verzeichnete Solingen einen Anstieg binnen Jahresfrist um 1342 auf 7449.

In Remscheid war ein Zuwachs der Arbeitslosigkeit um 835 auf 4965 zu verzeichnen, allein bei der von der Agentur für Arbeit betreuten Arbeitslosen stieg die Zahl um 547 auf 1759. Das war ein Anstieg von 45,1 Prozent. „Hinzu kam, dass die Zahl der gemeldeten Stellen stark zurückgegangen war. Und wo keine Stellen vorhanden sind, können wir nicht vermitteln – das führte zum Anstieg der Arbeitslosigkeit“, sagte Martin Klebe. Überdies wurden von der Agentur für Arbeit deutlich weniger Maßnahmen- beziehungsweise Qualifizierungsplätze für Jobsuchende angeboten. Auch das erhöhte die Erwerbslosigkeit.

Über Kurzarbeit versuchen die Unternehmen seit Ausbruch der Corona-Pandemie gleichwohl, ihre Mitarbeiter an Bord zu halten. „Bei Anziehen der Konjunktur können die Firmen so unmittelbar wieder voll durchstarten“, sagte der Chef der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal. Das wäre schon 2008/2009 „eine Erfolgsgeschichte“ gewesen. „Und das ist auch diesmal die Hoffnung“, sagte Martin klebe. Seiner Einschätzung nach könnte es sich im August/September entscheiden, „ob der Konjunkturmotor wieder anspringt“.

Dafür gebe es positive Signale, zumal sich die Auftragslage in den Unternehmen gebessert habe und Lieferketten wieder funktionieren. Auch die Öffnung des Einzelhandels und der Gastronomie-Betriebe wirken sich aus.

Die Anzeigen für Kurzarbeit sind derweil aber auf Rekordniveau. 6202 Anzeigen von Firmen lagen bis Ende Juni im Städtedreieck vor. Während der Finanzkrise waren es „lediglich“ 1499 im Bergischen. Betroffen sind in der Klingenstadt 1680 Unternehmen. Die meisten Anzeigen (1211) gingen im April ein. Von Kurzarbeit betroffen sind derzeit rund 24.500 Beschäftigte in Solingen. Das sind 45,2 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

In Remscheid sieht es nicht viel besser aus: 1222 Anzeigen auf Kurzarbeit liegen vor, 20.575 Mitarbeiter müssen Lohneinbußen verkraften. In beiden Städten sind das verarbeitende Gewerbe, der Handel und die Gastronomie diejenigen Branchen, die verstärkt Kurzarbeit angemeldet haben. Klebe: „Wir werden aber erst in zwei Monaten wissen, wie viele Arbeitnehmer tatsächlich Kurzarbeit gemacht haben. Erst dann liegen Abrechnungen vor.“