Solingen: Arbeitgeber gegen Lohn-Diktat

Solingen : Arbeitgeber gegen Lohn-Diktat

Die Einführung eines Mindestlohnes steht derzeit heftig in der Diskussion. Hans-Peter Pollmann, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes, findet, dass die Regelung der Entgelte ausschließlich Sache der Tarifvertragsparteien sei.

Was halten Sie von einem Mindestlohn für alle Branchen?

Pollmann Die Arbeitgeberverbände im Bergischen Land sind gegen jede Form gesetzlich verordneter Mindestlöhne. Der Staat sollte sich aus der Lohngestaltung heraushalten. Die Festlegung der Mindestarbeitsbedingungen ist im Rahmen der verfassungsrechtlich geschützten Tarifautonomie ausschließlich Sache der Tarifvertragsparteien.

Sehen Sie die durch die Politik aktuell gefährdet?

Pollmann Ja, natürlich, die Tarifvertragsparteien werden ihren Einfluss auf die Lohngestaltung verlieren, wenn der Staat sich dieses Themas annimmt.

Wie sieht das Tarifgefüge in der auch in Solingen stark vertretenen Metall- und Elektrobranche aus. Wo liegen hier die Lohnuntergrenzen?

Pollmann In der Metallindustrie ist der Mindestlohn kein Thema. Die unterste Lohngruppe ist zurzeit bei 1800 Euro brutto ohne Zulagen. Das entspricht einem Stundenlohn von deutlich mehr als elf Euro. Die höchste Entgeltgruppe liegt bei 4600 Euro brutto ohne Zulagen.

Kann man von diesen Einkommen sein Leben bestreiten?

Pollmann Die Metallbranche steht mit ihrem Entgeltgefüge mit an der Spitze der Branchen in Deutschland.

Wo sehen Sie Probleme mit dem Mindestlohn?

Pollmann Problematisch ist ein Mindestlohn in Branchen, die ein wesentlich niedrigeres Entlohnungsgefüge haben. Rechnet sich ein Arbeitsplatz durch einen zu hohen Mindestlohn nicht, wären Arbeitsplatzverlust, Verlagerung ins Ausland oder verstärkte Schwarzarbeit die Folgen. Dadurch würden insbesondere Geringqualifizierte auf Dauer vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen.

Im Ausland hat man angeblich gute Erfahrungen mit dem Mindestlohn erzielt?

Pollmann Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern haben wir in Deutschland ein gut funktionierendes Tarifsystem. Im Ausland sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ganz andere. Die Arbeitskosten sind meist viel geringer, das Arbeitsrecht ist flexibler. Die Einführung von Mindestlöhnen kann auch verheerende Auswirkungen haben, das zeigt das Beispiel Frankreich. Wegen Mindestlöhnen haben dort viele Jugendliche, vor allem mit Migrationshintergrund, keine Arbeit.

Uwe Vetter führte das Gespräch.

(RP)
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