Solingen: Anonymer Brief vergiftet Klima bei der Lebenshilfe

Solingen : Anonymer Brief vergiftet Klima bei der Lebenshilfe

Dass vor dem Arbeitsgericht um die Herausgabe eines anonymen Briefes gestritten wird, ist nicht alltäglich. Doch die Anschuldigungen, die darin enthalten sind, haben eine Abteilungsleiterin nach Angaben ihres Rechtsanwaltes psychisch krankgemacht. Seit der Brief im Frühjahr auftauchte, sei sie nicht mehr zur Arbeit erschienen. Ihr Therapeut habe auch dringend davon abgeraten, wieder an den Arbeitsplatz, an dem die schlimmen Gerüchte kursieren, zurückzukehren, ließ der Anwalt der Angestellten das Arbeitsgericht und die Anwältin der Lebenshilfe wissen.

"Hässliche Lästereien"

Bei der Lebenshilfe will man auf keinen Fall, dass der Brief in falsche Hände gerät, wie die Anwältin erklärte. Der Anwalt der erkrankten Mitarbeiterin und sie selbst können ihn einsehen, sagte der Juristin. Er enthalte "hässliche Lästereien", und das sei noch harmlos formuliert. Die Geschäftsleitung habe mit der erkrankten Mitarbeiterin das Gespräch gesucht, da einige Anschuldigungen auch sie und ihre Abteilung betrafen. Wie die Anwältin der Lebenshilfe weiter erklärte, habe man den Sachverhalt aber nicht aufklären können, da die Mitarbeiterin seither krankheitsbedingt nicht mehr zur Arbeit erschienen ist.

Da in dem Brief aber wohl weit mehr als "hässliche Lästereien" zu lesen sein sollen, hat der Anwalt der Mitarbeiterin jetzt in deren Namen Strafanzeige gegen unbekannt erstellt. Die Beschuldigungen in dem Brief sollen sich auch auf andere Beschäftigte beziehen. Durch die Strafanzeige wird der anonyme Brief zum Gegenstand der Ermittlungen.

Aber auch gestern schon vor dem Arbeitsgericht fand man einem Kompromiss: Der Anwalt der erkrankten Mitarbeiterin bekommt eine Kopie des Briefes, die darf er seiner Mandantin zeigen. Er muss sich aber verpflichten, das Schreiben nicht herauszugeben, sondern bei seinen Akten zu lassen, damit es nicht in die falschen Hände gerät.

Geschäftsführung sucht Gespräch

"Das ganze Verfahren hier wäre gar nicht nötig gewesen", sagte die Lebenshilfe-Anwältin abschließend vor dem Arbeitsgericht. Denn die Geschäftsführung habe gleich nach dem Auftauchen des anonymen Schreibens vertrauensvoll das Gespräch mit der Abteilungsleiterin gesucht und diese auch über die sie betreffenden Vorwürfe unterrichtet.

(RP)
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