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Solingen: Angemessen und würdig

Solingen : Angemessen und würdig

Schulministerin Sylvia Löhrmann war gestern bei der Amtseinführung des neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck in Berlin. Zu Solingen hat das Staatsoberhaupt seit der Verleihung der Schärfsten Klinge am 24. November eine besondere Beziehung.

Als Rebecca Schreinert, Marie Brunn, Max Schlegel und Jennifer Schmidt am 25. November vergangenen Jahres Joachim Gauck im Kunstmuseum Solingen trafen, hatte dieser gerade den Ehrenpreis Schärfste Klinge bekommen. Die vier Schüler aus Solingens Partnerstadt Aue hatten zuvor an einem Schreibwettbewerb für Jugendliche teilgenommen, der unter dem Titel "Freiheit leben" stand. Sie konnten vor vier Monaten nicht ahnen, dass dieser Joachim Gauck, der sie gerade mit seinen Schilderungen der Verhältnisse in der ehemaligen DDR so beeindruckt hatte, so schnell in das höchste Staatsamt aufrücken würde.

Gestern ist Joachim Gauck als Bundespräsident vereidigt worden — und NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann war dabei. "Es war angemessen, würdig, nicht übertrieben", fasst die Solingerin im Gespräch mit unserer Zeitung ihre Eindrücke zusammen. Joachim Gaucks Rede anschließend sei "bemerkenswert" gewesen.

Sehr gut habe der neue Bundespräsident die Entwicklung unseres Landes nach 1945 zusammengefasst, vom Wirtschaftswunder über die 68er-Generation, von Politikern wie Konrad Adenauer bis Johannes Rau. "Joachim Gauck hat sehr deutlich gesagt, dass wir die zunehmende Spaltung unserer Gesellschaft nicht hinnehmen dürfen, dass die Grundwerte immer in Balance bleiben müssen, sich gegenseitig bedingen", schildert Sylvia Löhrmann Gaucks Worte.

Auf die Frage, ob der neue Bundespräsident als Laudator nach Solingen kommen wird, wenn die nächste Schärfste Klinge verliehen wird, wagt Sylvia Löhrmann eine vorsichtige Einschätzung: "Wenn er es schafft, wird er es machen; ich habe ihn kennengelernt als einen Menschen, der gerne den Anforderungen entsprechen will, die man an ihn stellt."Für Solingen freilich wird es schwer werden, einen Preisträger zu finden, bei dem eine Laudatio des amtierenden Bundespräsidenten angemessen wäre.

Der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker hatte im November die Laudatio auf Joachim Gauck gehalten und seinerzeit in Anspielung auf die erste Kandidatur Gaucks für das Präsidentenamt bemerkt: "Gut, dass Sie das nicht geworden sind. Sonst hätten Sie oft schweigen müssen." Die erste Kandidatur hatte Juncker als "Kandidatur der gesuchten Glaubwürdigkeit und Authentizität" bezeichnet. Auch war sich der luxemburgische Premierminister sicher, dass Gauck bei einem damaligen Einzug ins Schloss Bellevue "kein Übermensch" geworden wäre, sondern ein "Unruhiger und Fordernder".

Politiker sind wie wir, hatte Joachim Gauck in seiner Dankesrede nach der Verleihung der Schärfsten Klinge erklärt: "Es gibt eine große Bandbreite zwischen grenzdebil und begnadet."

Solingen wünscht dem neuen Bundespräsidenten für seine Amtszeit sicher gerne, dass er es künftig mehr mit den Begnadeten zu tun haben wird.

(RP)