Serie Hinter Solinger Fassaden (1): Andy Warhols kreativer Geist im alten Rathaus

Serie Hinter Solinger Fassaden (1): Andy Warhols kreativer Geist im alten Rathaus

In einer neuen Serie schauen wir hinter die Fassaden unserer Stadt. Wir beginnen mit einer besonders schönen – am Höhscheider Rathaus.

Errichtet 1891 erstrahlt das alte Höhscheider Rathaus seit acht Jahren in neuem Glanz. Damals übernahm der Solinger Unternehmer Jörg Föste das denkmalgeschützte Gebäude als neuen Sitz für seine Werbeagentur. Sechs Monate dauerte die Restaurierung des alten Rathauses. Dabei legte Föste viel Wert darauf, das Rathaus so zu erhalten, wie es war: "Auf alten Bildern sieht man, dass die Dachgauben wilhelminisch verziert waren, mit aufgesetzten Türmchen." Über die Jahre seien diese jedoch verschwunden. "Bis auf die Türmchen haben wir die Fassade originalgetreu erhalten", sagte Föste.

Foto: Kempner, Martin (mak)

Auch im Inneren wurden viele Elemente und die Struktur des Gebäudes beibehalten. Die alten Treppenstufen knarzen, wenn man sie betritt, Türen und Fenster wurden nicht durch neues Material ersetzt, die Decken blieben stuckverziert und auch im Dachgeschoss liegt noch der alte Dielenboden. Einen modernen "Anstrich" erhielten die Räume durch die Wandfarben: helles gelb im Treppenhaus, blau in den Büroräumen im ersten Stock. Der große Konferenzraum im ehemaligen Ratssaal ist in einem blaugrau gehalten. Andy-Warhol-Drucke an den Wänden setzen farbige Akzente und inspirieren die Werber zu neuen Kampagnen. "Man musste gar nicht viel neu machen", sagte der Unternehmer und BHC-Geschäftsführer, "der Grundgedanke ist sehr stimmig." Die Räume seien perfekt zugeschnitten. "Die langen Gänge verbreiten Ruhe zum Arbeiten", so Föste. Wenn im Haus Hektik herrsche, bekomme das nicht gleich jeder mit, so wie es in den alten Firmengebäuden an der Schützenstraße der Fall war. Mit der Restaurierung alter Bausubstanz hat Föste sich zum ersten Mal beim Einzug in seine alten Firmenräume an der Schützenstraße Ende der 80er Jahre befasst. "Das hat mir damals schon viel Spaß gemacht", sagte Föste.

Dabei hatte er aber auch stets die Historie der Häuser im Blick: "Ich habe mich gerne damit auseinandergesetzt, warum die Gebäude heute an dieser Stelle stehen." Alte Bauwerke wie das Höhscheider Rathaus zu erhalten, ist dem Unternehmer auch für die Kultur der Stadt von Bedeutung. "Solche Baudenkmäler sind immer auch mit der Identität und der Erinnerung einer Stadt verbunden", so Föste. Ihr Erhalt sei in einer Stadt wie Solingen besonders wichtig, "da sie im Zweiten Weltkrieg stark geblutet hat." Für die Restaurierung des Höhscheider Rathauses erhielt Föste vom Bergischen Geschichtsverein den Denkmalpreis.

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Um das Gebäude möglichst ursprünglich zu belassen, nimmt Föste auch gerne ein paar Unannehmlichkeiten in Kauf, die sich bei jahrhundertealtem Material eben ergeben. Die zeigen sich beispielsweise an den Fenstern im großen Konferenzraum, deren Fensterbänke derzeit mit Handtüchern unterlegt sind.

"Die Wetterschenkel sind angegriffen und die Fenster undicht, das muss dann eben alle acht Jahre neu gemacht werden", sagte Föste. Auch die große Eingangstür aus Eiche wird gerade saniert. "Das Gebäude war 110 Jahre in städtischer Hand, das Ergebnis zeigt sich darin, dass alle beschädigten Stellen an der Tür mit minderwertigen Weichhölzern repariert wurden."

Bis heute ist Föste fasziniert von dem Haus: "Das Gebäude ist einfach grundsymmetrisch gebaut und damit von erhabener Schönheit."

(RP)
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